stilwerk Magazin: Haltung

Das neue stilwerk Magazin „Haltung“ umfasst 100 Seiten über Menschen und Design mit Charakter. Als Gründer des stilwerk, das 2016 sein 20-jähriges Jubiläum feiert, ist natürlich auch Bernhard Garbe mit dabei:

„Um Reichtum ging es mir nie.“,

sagt Bernhard Garbe (77), Unternehmer und stilwerk Gründer. Im neuen stilwerk Magazin „Haltung“ spricht er über seinen Werdegang, Mut und die Gründung des ersten stilwerk in Hamburg.

Welche Haltung führt zu unternehmerischem Erfolg?
Man muss eine gewisse Risikobereitschaft haben, Durchhaltevermögen und den Willen, selbständig zu sein. Es gibt viele gute Leute, aber die haben oft nicht den Mut zu sagen: Ich will selbständig sein. Die haben Schiss.

Woher nahmen Sie den Mut?
Es fing ja schon viel früher an. Mein Vater war im Krieg geblieben und meine Mutter hat zu uns Kindern immer gesagt: Ihr müsst euch selbständig machen.

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Eine frühe Prägung also?
Ja. Ich war Austauschschüler in den USA . Zurück in Hamburg zur See gefahren. Aber nur kurz. Ich habe Abi gemacht. Dann eine Lehre mit anschließendem Studium. Während der Lehre sagte meine Mutter, wenn du studieren willst, musst du dir dein Geld selbst verdienen.

Und?
Ein Bekannter fragte mich: Kannst du dich um die Finanzen des ortsansässigen Kirchenkreises kümmern? Ich machte Bausparverträge zu Geld, die vor dem Krieg angespart worden waren. Irgendwann hatte ich alle Kirchensprengel im Norden als Klienten.

Was haben Sie studiert?
Jura, und später BWL. Eigentlich wollte ich an der Uni bleiben. Aus Versehen bin ich dann Bauträger geworden. Mein damaliger Professor fragte: Willst Du promovieren oder Geld verdienen? Ich habe mich dann für das  Zweite entschieden.

War Geld die Triebfeder?
Ich brauchte das Geld, weil ich leidenschaftlicher Flieger war. Sonst hat mich Geld nicht interessiert.

Attitude. Unser neues Magazin. Out now. #stilwerkmagazin #allesdesign #yay

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Sie kokettieren.
Ich machte den Flugschein und habe mir gleich eine kleine Maschine gekauft. Damit bin ich schon früh nach England geflogen, wo ich mir bald einen Kundenkreis aufgebaut hatte. Ich bin quer durch die Welt geflogen. Alles Geld steckte ich in die Fliegerei. Ich war nicht verheiratet, hatte ein kleines Büro mit einer Angestellten, die mich suchte, wenn ich mal wieder irgendwo in der Wüste verschollen war. Mit einem Freund bin ich zum Beispiel das berühmte Lindbergh-Rennen geflogen. Einmal über den Atlantik. Von 110 Maschinen sind nur 45 angekommen. Wir waren die 41.

Ihr Firmenkonsortium wirkte teilweise wie ein Gemischtwarenladen. Immobilien, eine Werkzeugfabrik, sogar Steakhauskönig waren Sie mal.
Ja, ich hab’ tatsächlich auch mal die größte Steakhauskette des Landes gehabt. 17 Läden allein im Norden. Sogar Churasco haben wir dazugekauft. Aber mit Immobilien konntest Du am schnellsten Geld verdienen. Trotzdem wollte ich kein Baulöwe werden. Ich suchte immer neue Herausforderungen. So kam ich auch zu der Werkzeugfabrik. Die habe ich übrigens immer noch. Wir bauen Werkzeuge für die Autoindustrie weltweit.

Und dann kam auch noch das stilwerk, ein Möbelhaus.
 Ich suchte eine Verwendung für eine alte Mälzerei im Hamburger Hafen, als der befreundete Möbelhändler Alexander Raab über die hohen Mieten in der City klagte. „Wenn du mir fünf Mieter besorgst, machen wir ein Designer-Kaufhaus, sagte ich ihm. Wir erarbeiteten ein Konzept, überzeugten die Banken. 1996 eröffnete das erste stilwerk mit hochwertigem Einrichtungsdesign. Die Agentur Jung von Matt machte für uns Werbung. Schnell waren wir bekannt wie ein bunter Hund.

Wie haben Sie über all die Jahre unternehmerische Entscheidungen getroffen?
Immer gleich: Sie brauchen eine Idee. Dann fragst du dich: Ist sie vernünftig realisierbar? Bringt sie was? Und: Habe ich die richtigen Leute dafür?

Ihre Trefferquote?
Per Saldo bin ich im Plus.

Ihre größte Fehlentscheidung?
Dass ich die Finanzkrise falsch eingeschätzt habe. Wir wollten mit unserer Logistik AG an die Börse gehen, daher waren wir ziemlich expressiv im Markt unterwegs. Ich hätte mich früher von Leuten trennen müssen, die für den Logistikbereich zuständig waren. Ich habe gedacht, die können das. Sie konnten tolle Präsentationen halten, aber sie haben keine guten kaufmännischen Entscheidungen getroffen. Sie waren feige.

Was hat sich im Unternehmertum geändert?
Die Strukturen sind besser geworden. Es werden nicht mehr so viele unüberlegte Entscheidungen getroffen. Andererseits gehen auch immer mehr Unternehmerpersönlichkeiten flöten. Das größte Problem sehe ich darin, dass es heute viele Erben gibt, die nicht wissen, was sie machen sollen. Die die Unternehmen verkaufen und nicht mehr die Lust haben, sich einzusetzen. Die nehmen lieber die Kohle. Dann kommen Manager, die drei Jahre im Unternehmen bleiben. Wenn sie antreten, haben sie schon den nächsten Job im Blick. Sie krempeln alles um. Nach ein, zwei Jahren merken sie, das geht alles nicht so wie angekündigt – dann ziehen sie weiter.

Weiterlesen?
Dann holen Sie sich Ihre persönliche Ausgabe des aktuellen stilwerk Magazins – erhältlich im stilwerk Berlin, Düsseldorf und Hamburg sowie online unter issuu.com. Mehr zum Jubiläum in Hamburg finden Sie auch unter stilwerk.de/happy20stilwerk.

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