Blockbuster des Wandels: Megatrend Female Shift

Wie Frauen das Wohnen beeinflussen oder Design für und von Frauen.

„Megatrends sind die Blockbuster des Wandels“, heißt es auf der Homepage des Zukunftsinstituts. Seit 1980 versteht man unter diesem Begriff tiefgreifende Veränderungen, die mit einer Halbwertszeit von 25 bis 30 Jahren auf globaler Ebene stattfinden und Auswirkungen auf alle Lebensbereiche haben. „Female Shift“ ist einer davon und zielt, wie der Name verdeutlicht, auf die veränderte Rolle der Frau ab, die sich in den letzten Jahrzehnten merklich gewandelt hat – Stichwort „Emanzipation“ in allen Lebensbereichen.

Gemeinsam mit der koelnmesse/imm cologne übertrug der VDM (Verband der deutschen Möbelindustrie) die Megatrends auf das Wohnen. Welche Auswirkungen vom „Female Shift“ sind im Interior Design sichtbar? Ein Blick zurück zeigt, was vor einem Jahrhundert noch als Innovation galt und von unserer heutigen Realität weit entfernt scheint.

Female Shift | Design für Frauen.

Es war einmal die Frankfurter Küche. 1926 entwarf Margarete Schütte-Lihotzky eine Küche, die auf engstem Raum die Arbeitsprozesse der Frau erleichtern sollte: Hier war alles auf kleinstem Raum erreichbar, praktische Abläufe wurden berücksichtigt und das Konzept war für Kleinstwohnungen genauso geeignet wie für große Appartements. Die Küche wurde als ein abgeschiedener Ort interpretiert, der als Funktionsraum vom Rest der Wohnung isoliert war. Ganz im Gegenteil zu heute, wo Küche, Essbereich und Wohnraum verschmelzen und der ganzen Familie gehören. Und genau diese Entwicklung ist laut VDM und koelnmesse/imm cologne auf die veränderte Rolle der Frau zurückzuführen, die befreit von klassischen Rollenzuschreibungen auch auf ein befreites Wohnen setzt. Offene Grundrisse, multifunktionale Möbel sowie leichtere Materialien – all dies sind Auswirkungen des „Female Shift“ auf die Realität zu Hause.

Female Shift | Design von Frauen.

Und was zeigt die andere Perspektive? Entwerfen Designerinnen anders als ihre männlichen Kollegen und hat sich der „Female Shift“ in der Branche überhaupt vollzogen? Im Titelbild ist das Modell „Ruché“ von ligne roset zu sehen. Ein Entwurf der Französin Inga Sempé aus dem Jahr 2014. Hier drunter ist die „Gräshoppa“ Leuchte von Greta Magnusson Grossman abgebildet, die bereits 1947 entworfen wurde. Zwei Frauen, zwei Designs aus zwei Epochen und die Frage inwiefern Frauen anders entwerfen? Die beiden Entwürfe jedenfalls rufen eindeutig feminine Assoziationen hervor – ein Zufall? Uta Brandes, Professorin für Gender und Design an der Köln International School of Design, widmet sich der Gender-Thematik seit vielen Jahren und hat in Studien herausgefunden, dass unbewusst auch Designprofis ihr Geschlecht in ihre Entwürfe transportieren. Es wäre zu einfach hier zu sagen, dass sich dieses primär in Farben und Formen manifestiert. Eher scheint die unterschiedliche Herangehensweise eine Rolle zu spielen. Wie in fast allen Lebensbereichen führen andere Perspektiven zu anderen Ergebnissen. Und am Ende sollte es egal sein, ob „weiblich“ oder „männlich“.

Was zu sagen bleibt: Trotz einiger weiblicher Namen, die in die Designgeschichte eingegangen sind und eingehen werden (darunter Charlotte Perriand, Eileen Gray, Ray Eames, Patricia Urquiola, Paolo Navone Front, Inga Sempé...) scheint die Designwelt weiterhin ein von Männern dominiertes Feld, wo der „Female Shift“ noch nicht vollkommen vollzogen ist. Aber wie eingangs gesagt: Megatrends umfassen mehrere Jahrzehnte – wir setzen auf die Zukunft!

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