Das Original kommt von Vitra.

Vitra setzt sich seit Jahren mit weiteren Designmarken für Originale und gegen Fälschungen ein. In einer Reihe von Fragen und Antworten klärt Vitra über Originale auf und warum es so wichtig ist, gegen Fälschungen vor zugehen.

Das Schweizer Unternehmen Vitra, mit heutigem Hauptsitz in Weil am Rhein, stellt erfolgreich seit 1957 Möbel her. Gegründet wurde das Unternehmen durch Willi und Erika Fehlbaum, die zu Beginn vor allem Entwürfe von Charles & Ray Eames und George Nelson umsetzten. Heute produziert Vitra diese Möbel als deren Klassiker, deren Erbe mit Re-Editionen, Ausstellungen und Publikationen gepflegt werden. Parallel engagiert sich Vitra im zeitgenössischen Design und erweitert sein Sortiment stetig mit Produkten, die die Klassiker von morgen sein werden.

In der aktuellen Kampagne klärt Vitra über Originale und Fälschungen auf, untermalt mit ausgesuchten Anekdoten zu unterschiedlichen Klassiker aus dem Vitra Sortiment, denn: Jedes Produkt von Vitra ist ein Original. Und jedes Original hat eine Geschichte.

Was ist ein Original?

Vitra: Ein Produkt ist dann ein Original, wenn es vom Designer autorisiert wurde. Ob es vor langer Zeit oder erst kürzlich hergestellt wurde, ist bezogen auf seine Qualität als Original unerheblich. Der Hersteller von Originalen steht in engem Kontakt mit dem Designer oder seinen legitimierten Nachfolgern und stellt damit sicher, dass die Fertigung des Produkts genau den Vorstellungen seines Autors entspricht und somit authentisch ist.

Woran erkenne ich ein Original?

Vitra: Es ist ganz einfach: Prüfen Sie, ob es vom legitimierten Hersteller stammt. Für Eames Entwürfe gilt, dass Produkte, die in Europa und dem Mittleren Osten angeboten werden, Originale sind, wenn sie von Vitra hergestellt werden. Der legitimierte Hersteller für andere Weltregionen ist Herman Miller.

Was ist eine Fälschung?

Vitra: Hersteller von Fälschungen versuchen ein Original äußerlich so zu kopieren, dass der Eindruck entsteht, es handle sich um ein Original. Plagiate werden zu wesentlich niedrigeren Preisen angeboten. Das ist möglich aufgrund billigerer Materialien, niedrigerer Lohnkosten, inexistenter Entwicklungs- und Marketingkosten, der Nichtbeteiligung der Autoren am wirtschaftlichen Erfolg, des Einsparens von Service- und Garantieleistungen etc. Veränderte Designs, die nach wie vor den gleichen Gesamteindruck wie das Original erwecken sind ebenfalls Fälschungen.

Welche Haltung nimmt Vitra gegenüber Fälschungen ein?

Vitra: Wie die meisten Hersteller von Originalen bekämpft auch Vitra Produktpiraterie und setzt sich seit vielen Jahren für den Schutz von Originalen ein – nicht nur im eigenen Interesse, sondern zusammen mit anderen bekannten Design-Unternehmen wie beispielsweise Artek, Cassina, Fritz Hansen und Knoll. Mit dem Vitra Campus, dem Vitra Design Museum, dem Vitra Schaudepot und der Sammlung, aber auch mit Publikationen nimmt Vitra das Thema immer wieder auf und macht es zugänglich und erlebbar.

Was sind Klassiker und warum entwickelt Vitra Klassiker weiter?

Vitra: Klassiker sind Entwürfe, die sich über Jahre am Markt gehalten und immer wieder neu durchgesetzt haben. Oft waren diese Entwürfe ihrer Zeit voraus, haben innovativen Charakter. Bei ihrer Erstpräsentation waren Entwürfe wie der Panton Chair oder die Eames Aluminium Group Gegenentwürfe zum Bestehenden und zeigten neue Wege in Material, Konstruktion oder Form auf, die einer Revolution gleichkamen. Klassiker haben eine große Kraft, sie müssen aber auch gepflegt werden. In enger Zusammenarbeit mit den Designern oder deren Nachfahren werden die Klassiker laufend betreut. Dabei geht es z.B. auch um Fragen der Konstruktion oder Anpassungen an Produktionsbedingungen. Auch die Farbgebung oder die Größen Anpassung (bspw. des Eames Plastic Chairs) werden überarbeitet. Dabei soll  der Kern des Entwurfs oder seine Authentizität nicht in Frage gestellt, sondern die Marktrelevanz des Klassikers garantiert werden.

In welchem Verhältnis steht ein Vintage-Objekt zu einem heute hergestellten Vitra Produkt?

Vitra: Beide sind Originale und unterscheiden sich nur durch den Zeitpunkt ihrer Herstellung. Da Designer und Hersteller kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Produkte arbeiten, Mängel beseitigen und sie hinsichtlich der Umwelt- und Sicherheitsstandards verbessern, lassen sich an Vintage-Objekten gewisse Abweichungen zu den späteren, ausgereiften Ausführungen eines Klassikers feststellen.

Das Original: Panton Chair

Die Geschichte des ikonischen Panton-Stuhls von Verner Panton ist eine der Anekdoten, die Vitra im Kampf gegen Fälschungen erzählt. Sie beginnt damit, dass es mitunter reicht, wenn ein Einzelner an einen Entwurf glaubt und ihn damit ermöglicht:

Eines Tages war Rolf [Fehlbaum] bei uns zu Besuch und entdeckte ein Modell des Panton-Stuhls. Das Modell war nicht stabil genug, um darauf zu sitzen. ‚Warum wird dieser Stuhl eigentlich nicht hergestellt?‘, fragte Rolf. Meine Antwort: ‚15 bis 20 Fabrikanten versuchten es, aber haben aus verschiedenen Gründen die Produktion abgelehnt.‘ Rolf rief sofort einen Techniker, Manfred Diebold, von Vitra an. […] Ohne Rolf kein Panton Chair.

so Verner Panton.

Der dänische Designer entwickelte die Idee des freischwingenden Kunststoffstuhls Ende der 1950er-Jahre, jedoch zeigte kein Hersteller Interesse an dem gewagten Entwurf. Auch Willi Fehlbaum, der Gründer von Vitra, sah zunächst keine Realisierungsmöglichkeit, auch wenn ihm die Idee gefiel. Als aber sein Sohn Rolf Fehlbaum und der Leiter der Produktentwicklung von einem Besuch bei Verner Panton zurück kamen und begeistert berichteten, stimmt er zu: So startete Vitra im Jahr 1963 die Entwicklung einer der bekanntesten Entwürfe im Stuhldesign des 20. Jahrhunderts. Nach Jahren des Forschens und Ausprobierens, des Fallenlassens und Erarbeitens von Prototypen, wurde schließlich anhand von zehn Prototypen aus handlaminiertem, glasfaserverstärktem Polyester die endgültige Form des Stuhls definiert. 1967 konnte der Panton Chair in einer kleinen Vorserie von knapp 150 Stück aus kaltgepresstem, fiberglasverstärktem Polyester hergestellt werden. Er war damit der erste aus einem Stück geformte Vollkunststoffstuhl der Geschichte, der als Freischwinger realisiert werden konnte. Mit seiner skulpturalen Form und den für Panton typischen kräftigen Farben erregte der Freischwinger viel Aufsehen. Die Nachfrage nach dem Stuhl war so groß, dass sie mit dem teuren und aufwendigen Verfahren nicht gedeckt werden konnte. So wurden weitere Tests mit einem neuen Polyurethan-Hartschaum vorgenommen. 1968 startete mit diesem Material die eigentliche Serienfertigung in einem Gussverfahren, welches ein hohes Maß an manueller Nachbearbeitung forderte. Da Panton und Vitra noch nicht zufrieden waren, suchten sie gemeinsam nach weiteren Materialien für den Entwurf und entschieden sich zwischenzeitlich für einen thermoplastischen Kunststoff. Das Material zeigte sich in der Folge jedoch als weit weniger alterungs- und witterungsbeständig als angenommen, führte zu Brüchen des Stuhls und drohte, das Ansehen von Vitra zu schädigen. 1979 wurde aus diesem Grund die Produktion komplett eingestellt. Das Interesse am Panton Chair lebte aber weiter, daher nahm Vitra die Produktion 1990 wieder auf – erneut im zwar aufwendig zu bearbeitenden, aber bruchsicheren Polyurethan-Hartschaum. Die fortschreitende Kunststofftechnologie und insbesondere neue Möglichkeiten des Spritzgussverfahrens ließ es zu, dass in den 90er Jahren eine Version des Panton Chair in Polypropylen entwickelt wurde. 30 Jahre nach dem Beginn der Serienfertigung konnte so eines der wesentlichen Ziele Pantons erreicht werden: der Kunststoffstuhl als preiswertes Industrieprodukt. Leider verstarb Verner Panton kurz vor der Präsentation 1999.  Der Kunststoff-Freischwinger wird in zwei Varianten produziert: in Polyurethan-Hartschaum mit glänzender Oberfläche als Panton Chair Classic und aus Polypropylen mit matter Oberfläche als Panton Chair. Vitra hat an die Idee von Verner Panton geglaubt und kontinuierlich für den Erfolg des Produktes gearbeitet: heute ist der Panton Chair ein wahrer Klassiker des Designs.

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©  (Fotos) liegt komplett bei Vitra | Fotografen: Tobias Madörin, Nicole Bachmann, Miro Zagnoli, Florian Böhm, Mark Niedermann,
© (Foto schwarz/weiß): Manfred Diebold, Rolf Fehlbaum, Verner Panton and Josef Stürmlinger S. 216 (Project Vitra)
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