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GamFratesi | Eine perfekte Verbindung

Italienische Tradition trifft dänischen Purismus: Das Architekten-Paar GamFretesi im Gespräch über Masken, Stofflamellen und den Wert einer guten Atmosphäre.

Die Architekten Stine Gam und Enrico Fratesi gründeten 2006 ihr gemeinsames Studio GamFratesi mit Hauptsitz in Dänemark. Das Designduo hat bereits Möbel, Accessoires und Objekte für Hersteller wie Gubi, HAY, Ligne Roset, Kvadrat, Frederica oder AXOR entworfen.

In einem Interview mit der Textilmarke Kvadrat verraten die beiden Designer ihre Meinung zu Stoff, italienischem und dänischem Design sowie die größten Herausforderungen in ihrer Arbeit.

Wie passt dänisches Design zum italienischen?
Überhaupt nicht (beide lachen). Es war nie unser Ziel, eine dänisch-italienische Firma zu gründen. Es ist einfach, was wir sind. Und das bringen wir auf den Tisch. Wir leben aber in Kopenhagen und auch unsere Designsprache ist eher skandinavisch: in der Schlichtheit, Ehrlichkeit, den Materialien.

Wie nehmen Sie die Geschichte und Identität von Kvadrat wahr?
Es ist ein großartiges Unternehmen. Wir haben unser allererstes Möbelstück mit ihren Stoffen bezogen, weil Farben und Textur unsere Philosophie ausdrücken. Polstermöbel waren immer unsere Stärke, besser gesagt, kommen sie einfach am besten an. Vergangenes Jahr wurden wir dann zum ersten Mal von Kvadrat engagiert: Zum Salone del Mobile entwarfen wir textile Masken für den Mailänder Showroom.

Der neue Space in der Kölner Design Post ist also Ihr zweiter Coup in dieser Hinsicht. Wie nähern Sie sich einem solchen Projekt?
Anders als ein kurzlebiger Messestand bleibt ein Showroom bestehen und ist Arbeitsplatz für Menschen, die in gewisser Weise darin leben. In der Design Post teilen sich alle Brands einen großen Raum, aber jeder hat seinen eigenen Bereich. So kam uns die Idee mit den stoffbespannten Lamellen. Will man teilen, lassen sie sich mit einem einfachen Seilzugsystem öffnen. Braucht man gerade Privatsphäre, schließt man sie wieder und ist geschützt vor vorbeilaufenden Menschen – oder auch einfach nur der Sonne draußen. Sie sind multifunktional.

Seitens vieler Architekten scheint es Vorbehalte gegenüber Stoffen zu geben, gerade bei moderner Bauweise. Warum ist das so?
Nun ja, wir sind keine klassischen Architekten. Wir verwenden sehr, sehr viele Textilien: Möbelbezüge, Vorhänge – wir lieben Stoffe! Sie verleihen dem Interieur auf ganz natürliche Weise einen Wert. Zum Beispiel lässt sich eine starke Farbe einbringen, die trotzdem nicht einnehmend wirkt. Außerdem verbessern sie die Akustik, die ganze Atmosphäre. Stoff hat so viele Qualitäten. Und er wirkt nicht, als würde man etwas hinzufügen, nur um etwas hinzuzufügen.

Enrico, was mögen Sie am skandinavischen Design?
Die Skandinavier haben einen besonderen Ansatz, eine Energie. Nicht dass die Italiener keine hätten. Aber in Skandinavien herrscht eine positive Einstellung wie im zweiten Golden Age des Möbeldesigns. Die Akteure sind erfolgreich, energiegeladen, sehr jung. Italien hatte diesen Generationswechsel nicht. Die ältere Generation regiert noch immer mit der gleichen Mentalität und das steht neuen Dingen häufig im Weg. Meiner Meinung nach verstehen die Dänen es besser, sich auf die Perspektiven der neuen Welt einzulassen. Die Italiener schauen eher zurück. Das finde ich problematisch. Aus Italiener bin ich dankbar, früh von den Skandinaviern gefördert worden zu sein. Wenn ein junger Däne in einem Café arbeitet, kann er ein gutes Leben haben, das es ihm erlaubt, optimistisch zu sein. Vielleicht ist dieser Optimismus die beste Qualität, um etwas zu entwerfen.

Stine, was mögen Sie besonders am italienischen Design?
Die leidenschaftlichen Menschen. Ich bin fasziniert von dem Stolz, der einem überall in den Manufakturen begegnet. Egal wie weit man in der Wertschöpfungskette zurückgeht, jeder Einzelne fühlt sich geehrt, ein Stück von etwas erschaffen zu dürfen. Die Italiener geben immer alles, die Lösung für ein Problem zu finden, um etwas zum gewünschten Ergebnis zu bringen. Das Handwerk an sich ist in Dänemark nicht so präsent.

Was empfinden Sie momentan als die größten Herausforderungen von Design und Architektur?
Wir glauben, die Idee von Intimität, einer besonderen Weichheit, ist besonders wichtig. Selbst in einem Showroom. Jeder Ort muss ein gutes Gefühl hervorrufen. Das ist ein Teil unserer Philosophie.

Ein letztes Statement bitte: Stoffe sind …
Da müssen wir sofort an unsere Masken für die Installation in Mailand denken. Weil der Stoff die Maske eines Produkts ist. Er verändert immer die Wirkung. Das kann theatralisch sein, verspiel oder dramatisch. Er ist die letzte Schicht, die man aufträgt, und sie bestimmt die Persönlichkeit.

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