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Das zweite Leben von deutscher Eiche

Vor 25 Jahren gründete der Architekt und Designer Philipp Mainzer die Firma e15, wenig später kam die im Iran geborene Modedesignerin Farah Ebrahimi als Artdirektorin hinzu. Es ist nicht nur ein kongeniales Verständnis von Gestaltung und Geschmack – auch die Unterschiede des Paares machen e15 zu einer Möbelmarke, die immer wieder neue Standards setzt. Wurde die Firma 1995 noch nach der Postleitzahl des ersten Studios im Londoner East End benannt, arbeiten und leben Mainzer und Ebrahimi mittlerweile in Frankfurt am Main. Manches aber wird sich bei e15 wohl nie ändern.

Ein Gespräch über Konstanten und Kontraste.

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Welche Gestaltungsprinzipien, die Sie vor 25 Jahren für sich formulierten, haben auch heute noch eine Gültigkeit für e15?
Farah Ebrahimi: Zwei Wörter, auf die wir immer wieder zurückkommen, sind „radical simplicity“. Es war damals sehr radikal, Massivholztische aus deutscher Eiche herzustellen. Ein damals ungeliebtes Material, das Philipp in sehr simple und dadurch umso aussagekräftigere Formen übersetzt hat. Das war nicht nur der Ausgangspunkt unserer Firma, sondern eine Marke in der zeitgenössischen Designgeschichte, ein völlig neuer Impuls.

Philipp Mainzer: Ich habe aus einem Bauchgefühl heraus angefangen. Aus dem Glauben daran, dass da etwas ist, eine Idee, ein Produkt, das der Welt fehlt. Das waren zu Beginn vier Tische, von denen wir noch immer drei in unserer Kollektion haben, die sich nach wie vor gut verkaufen. Tatsächlich beschreibt „radical simplicity“ nicht nur diese Tische, sondern noch immer unsere klare Formsprache, gekoppelt mit einer Materialität, die vor allem ehrlich ist. Mit jedem Stück versuchen wir, uns dieser Radikalität weiter anzunähern.

Was vor 25 Jahren radikal war, ist es heute allerdings nicht mehr. Ihr Design wird mittlerweile nicht nur verstanden, sondern begehrt.
Farah Ebrahimi: Das macht die Arbeit nicht einfacher. Weil wir nicht nur bei unseren Kundinnen und Kunden, sondern auch in uns selbst weiterhin dieses Bedürfnis nach Radikalität stillen wollen. Gleichzeitig überlegen wir, ob dies überhaupt die Zeit ist, in der wir gestalterisch radikal sein müssen. Vielleicht geht es heute eher darum, das, was damals radikal war, zu raffinieren. Wir müssen nicht mit jeder neuen Kollektion schockieren.

Philipp Mainzer: In gewisser Weise ist auch das ein radikaler Ansatz: Sich nicht immer wieder neu erfinden zu müssen. Etwas wegzulassen, sich selbst zu limitieren, kann genauso radikal sein, wie etwas völlig Neues zu entwickeln.

Trotzdem präsentieren Sie sicher auch in diesem Jahr neue Produkte auf den Messen, oder?
Philipp Mainzer: Wir denken über verschiedene Dinge nach. Eben auch darüber, wie viel wir überhaupt zeigen wollen. Auch uns geht es mehr und mehr um die Frage, was wir wirklich brauchen. Ein Stuhl von Richard Herre aus dem Jahr 1926, den wir nun beinahe unverändert reproduzieren, spielt mit dieser Idee. Es geht um die Wertschätzung guter Dinge, die bereits existieren.

Farah Ebrahimi: Dieses Design ist fast 100 Jahre alt. Es wurde damals lediglich für ein paar wenige Klienten umgesetzt. Wir hatten das Gefühl, dass dieser Stuhl wieder gezeigt, dass er produziert werden muss. Gerade, weil Stühle heute sehr gleichförmig aussehen, alle einen Schalensitz haben und irgendwie an Eames erinnern.

Mit sanften Kurven und der Rattan-Sitzfläche wirkt der Entwurf förmlicher, als man das von Ihnen gewohnt ist, ein bisschen mehr Bourgeoisie.
Philipp Mainzer: Das ist kein Zufall. Wir wollten durchaus einen Stuhl herauszubringen, der ein bisschen erwachsener ist.

Farah Ebrahimi: Ich finde, diese Haltung ist heute sehr angebracht. Wenn jeder kleine, hübsche Puppenhausmöbel macht oder riesige vulgäre Sofalandschaften, dann stechen diese subtilen Formen heraus. Wir mögen keine Möbel, die zu historisch aussehen. Aber uns gefällt die Substanz, die Grandezza der Vergangenheit. Facetten, die wir in die Zukunft übersetzen wollen. Auch mit einem Stuhl von Ferdinand Kramer aus dem Jahr 1925, den wir reproduzieren. Der ist wahnsinnig beliebt. Die Leute wollen heute etwas Substantielles.

Das ist eine überraschende Erkenntnis. Der Umgang mit Design hat sich doch eher vereinfacht, oder? Ikea macht es längst allen Menschen möglich, Möbel zu kaufen, die zumindest zeitgemäß wirken, und durch Instagram scheint jede und jeder mindestens ein oberflächliches Verständnis davon zu haben, was gut aussieht.
Farah Ebrahimi: Das ist richtig. Design ist ein Thema des Mainstream geworden. Und in gewisser Weise ist das ja auch schön. Aber gerade auf Instagram werden zwar viele schöne Bilder gepostet, von herausragenden Designarbeiten, aber auch Kunstwerken oder Modeentwürfen. Gleichzeitig scheinen sich die Leute weniger dafür zu interessieren, wer diese Dinge eigentlich gemacht hat und warum. Es geht nur noch um eine visuelle Stimulation. Das ist die Kehrseite der Demokratisierung des Designs.

Philipp Mainzer: Interessanterweise hat auch diese Entwicklung vor etwa 25 Jahren angefangen, Wallpaper* zum Beispiel wurde ungefähr zur gleichen Zeit gegründet wie unsere Firma. Auch dieses Heft war damals revolutionär und radikal. Es hat Design zu einer Ware gemacht und Disziplinen zusammengebracht. Im Grunde wurde damals geformt, was wir heute so unschön Lifestyle nennen.

Auch Sie überschreiten gern die Grenzen der Disziplinen, etwa wenn Sie mit dem Fotografen Mark Borthwick oder Modedesigner Bernhard Willhelm kooperieren.
Philipp Mainzer: Kooperationen sind für uns ein wichtiges Werkzeug, ganz egal, aus welchen Disziplinen unsere Partnerinnen und Partner kommen. Wenn wir mit Leuten wie Mark arbeiten, oder eine limitierte Edition mit Michael Riedel erarbeiten, dann sind das Momente, die einen echten Unterschied machen. 

Farah Ebrahimi: Die Bereitschaft, übergreifend zu denken, rührt auch daher, dass wir  ja selbst aus verschiedenen Disziplinen kommen, aus unterschiedlichen Kulturkreisen zudem. Diese Hintergründe, unsere Temperamente, machen e15 zu dem, was es heute ist. Die Firma steht auf einem festen Fundament, auf Philipps Ideen, seiner Klarheit und Disziplin. Ich bringe einen modischen Charakter ein, einen bestimmten Charme – und ich halte Charme für ein wichtiges Wort. Das ist die emotionale, expressive Facette als Kontrast zur rationaleren, überlegten Seite der Firma. Dieses Emotionale und Rationale, Feminine und Maskuline, wie auch immer man das nennen will, macht e15 sehr besonders.

Dies ist ein Beitrag aus dem stilwerk Magazin „Inspiring Spaces“  verfasst von Manuel Almeida Vergara. Die aktuelle Ausgabe des stilwerk Magazins erhalten Sie an den stilwerk Standorten Berlin, Düsseldorf und Hamburg sowie im ausgewählten Zeitschriftenhandel.

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