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Der charmante Hutmacher

Peter de Vries hat sich mit Kopfbedeckungen einen Namen gemacht. Doch der Produktdesigner zieht mit seinem Lieblingsmaterial Filz noch ganz andere Seiten auf.

Bowler, Fedora, Pork Pie, Trilby und duzende andere Hutformen stapeln sich rechts und links in dem kleinen Hamburger Laden von Peter de Vries. Im Schaufenster stehen zwei große Hutpressen. 50 verschiedene Modelle stellt der gebürtige Niederländer in seiner Design-Manufaktur her. Das Handwerk hat er sich selbst beigebracht.

Ich bin Autodidakt. Früher habe ich in meiner Heimat Groningen als Optiker gearbeitet und nebenbei habe ich Hüte gemacht. Ich selber trage keine Hüte, aber ich finde das Handwerk schön. Mir gefällt die Verwandlung, die ein Hut bewirken kann,

erzählt er, wobei sein Akzent deutlich zu erkennen ist. „Eines Tages war ich auf einer Messe in Deutschland. Einer Hamburger Konsulatsfrau gefielen meine Hüte und sie wollte, dass ich für sie eine Modenschau organisiere. Dann habe ich ein Lager und einen Laden gesucht und seitdem bin ich hier."

Seit 1989 produziert de Vries nun seine Hüte in der Hansestadt. Seine Kunden kommen von überall her – gut betuchte Damen, Künstler, Hipster. „Ich habe auch einige Musiker als Kunden, die es cool finden, auf der Bühne Hütchen zu tragen.“ Das gefällt ihm, denn der blonde Holländer ist selbst begeisterter Musiker. „Ich habe früher intensiv Saxofon gespielt, war sechs Jahre lang on the Road und habe auf Hochzeiten und Beerdigungen gespielt.“

Die Liebe für Jazz-Musik ist bis heute geblieben. Neben seinem Schreibtisch im Büro, das gleichzeitig als Warenlager dient, steht sein Saxofon jederzeit griffbereit. De Vries ist international ein gefragter Hutmacher. Vor allem sein „Sushehat“, den man auf neun verschiedene Arten tragen kann, wurde weltweit zum Erfolgsschlager und erhielt unter anderem den Red Dot Award.

Design muss funktional sein, aber es muss auch eine Geschichte dahinter stecken. Das sag ich meinen Studenten auch immer – wenn man etwas entwirft, muss etwas von dem Designer mit darin stecken: Wie denkt er? Was mochte er an dem normalen Gebrauchsgegenstand verbessern? Dann muss er damit in Serie gehen und hoffen, dass er Erfolg hat.

Seit 2011 lehrt der Produktdesigner an der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) an der Fakultät für Design, Medien und Information im Department Mode, Kostüm und Textil für Prof. Renata Brink (M.A.). Außerdem ist er seit einigen Jahren Kurator der Designmesse Nordstil. Netzwerken und Kontakte knüpfen ist für ihn existenziell. „Ohne Kontakte gäbe es mich nicht. Mit dem „Sushehat“ kam alles ins Rollen. Jemandem gefällt dein Produkt, lädt dich ein, du stellst aus und dann lernst du wieder neue Leute kennen.“ 

HUT HANDWERK:-) photo: info@giovannimafrici.com

Posted by Hutdevries on Donnerstag, 19. November 2015

Zwar sind die Hüte de Vries‘ roter Faden, wie er gerne sagt, aber der Produktdesigner macht sehr viel mehr. „Ich habe einen unruhigen Geist. Ich will ständig Dinge verändern oder etwas Neues machen“, sagt er und grinst. „So bin ich irgendwann auch auf etwas ganz anderes gekommen: auf Wände. Seine Filzfliesen „Felt Mat 2“ sind akustische Möbelelemente. „Filz ist ein Naturprodukt. Es ist wasserabweisend, schwer entflammbar und gesund“, erklärt er und streicht über eine der quadratischen Fliesen. „Dass Filz gut den Schall absorbiert, habe ich natürlich auch durch die Musik gelernt. Die Filzfliesen nehmen die Schärfe aus einem Raum, außerdem ist der Designfaktor groß“, sagt er stolz. Der zweifache Vater liebt es, zu experimentieren und tüftelt ständig an neuen Ideen. „Man muss seinen Kunden immer besondere Produkte bieten. Sonst fällt man raus aus dem Wettbewerb. Zum Glück bin ich gerne selbst und das ständig.“

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