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Designing the future matters.

Jury-Mitglied Nils Jockel spricht am Abend der Preisverleihung des Lucky Strike Junior Designer Award 2018 im stilwerk Hamburg darüber, warum die Raymond Loewy Foundation heute mehr denn je der Überzeugung ist, dass die Zukunft zwar nicht planbar ist – das war sie nie – aber doch gestaltbar: „designing the future matters".

Keine Frage. Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Schlimmer noch: sie ist meist schon da, wenn wir nicht mit ihr rechnen, weil wir gerade mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind. Trauriger Spaß beiseite. Gerade in den letzten Monaten und Jahren erscheint es uns, als würde sich im Moment besonders viel verändern – und keineswegs zum Guten. Plötzlich müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass es zu Fakten auch Alternativen gibt – eben alternative Fakten; dass der Klimawandel eine Erfindung der Chinesen ist und, dass Probleme eine Mutter haben können – und zwar alle Probleme eine einzige Mutter. Und die heißt Migration oder Merkel oder so. Egal.

Es scheint, als sei das „Gefühl" gegenüber der Zukunft und dem, was uns erwartet, gerade stark getrübt. Die Zukunftsvisionen der Vergangenheit haben sich zu den Zukunftsproblemen der Gegenwart entwickelt. Das beharrliche Festhalten am positiven Denken über Zukunft und Fortschritt, das frühere Jahrhunderte geprägt hat, ist Skepsis und Angst gewichen. Auch der Glaube an die Allmacht der Wissenschaft und an den technologischen Fortschritt hat sich zur Angst vor der schlimmstmöglichen Anti-Utopie entwickelt. Verwundert reiben wir uns die Augen, dass der Fortschritt auch rückwärts gehen kann. Wir drehen uns um und stellen fest, dass die gute alte Zeit, als Amerika noch „great" und Deutschland noch deutsch war, leider auch nur eine rückwärts gerichtete Utopie ist. Also blicken wir wieder nach vorne und haben nun die Dystopie, die fiktionale Anti-Utopie, zu der großen Erzählung der Zukunft gemacht.

Um diesen mächtigen Herausforderungen zu begegnen, braucht es wieder,  weiterhin und mehr als je zuvor Gestalter und Anders-Denker –visionäre Netzwerker, die Design Thinking verinnerlicht haben. Die mehr wollen, als nur dafür zu sorgen, dass Menschen in ihren (nebenbei: unfair produzierten) Klamotten auch in ihren SUVs (die nebenbei vor allem im Verkehrsstau stehen) eine gute Figur machen. Die mehr wollen, als nur dafür zu sorgen, dass Menschen auf der Rolltreppe nicht links stehen bleiben; dass Kopfhörer nicht verknoten und dabei wirtschaftlich erfolgreich sind; dass Duschvorhänge nicht am Körper kleben; dass Tüten nicht zu weit aufgerissen werden; dass es kein Falsch-Herum bei USB-Sticks gibt; dass Beipackzettel nutzbar und Getränkekästen handlicher werden und und so weiter und so weiter. Noch immer herrscht zumindest im deutschsprachigen Raum ein geringes Verständnis dafür, was Design ist und, dass es in den vielen Denk- und Anwendungsdimensionen viel mehr kann. Vielleicht geht es auch Ihnen so, dass Sie einen Gutteil Ihrer Arbeitszeit damit verbringen, das Allerweltswort Design zu erklären – das sich aber doch eigentlich selbst erklären sollte. Weil doch gutes Design angeblich überzeugt, weil es wirkt; weil es doch die vermeintlich einfachste, nachhaltigste, benutzerfreundlichste, und so weiter Lösung ist, die jedem verstehbar sein müsste. Einleuchtend wie Stadionlicht, klar wie Kloßbrühe. 

Tut es aber eben nicht. Woran es selbst Schuld ist. Genauer: wir, die wir tagtäglich unbekümmert mit dem Begriff umgehen. Weil wir das Wort, das in seinem ursprünglich englischen Sprachkontext andere, formalere Bedeutungen hat, aus allen möglichen, auch narzisstischen Gründen verklären und verunklaren. Design sei keine Tätigkeit sondern eine Qualität, Möglichkeit der künstlerischen Äußerung, der Abgrenzung, der Alleinstellung, Hervorhebung. Hier die kreativen Designer, da die doofen Daseiner, die nur so da sind. Je mehr in der Endphase der Industriegesellschaft die materielle Präsenz der Produkte an Bedeutung verliert und nicht mehr nur die Form, sondern immer mehr die Strukturierung der Informationen und der Dienst des Produktes im Mittelpunkt stehen, desto wichtiger wird nun auch das Bewusstsein für gestalterisches Handeln und wie weit es für unser Leben und unsere Zukunft Bedeutung hat.

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Wenn wir also sagen, „designing the future matters", dann wollen wir in einer Zeit, in der viele sich angesichts ihrer Zukunftsängste abschotten, sich zurück wenden oder gar zynisch werden, das deutliche Signal setzen: die Zukunft ist gestaltbar, und zwar auch und in erheblichem Maße durch Designer*innen, die weiter denken und handeln können, nämlich in Teams, in Prozessen, in Strategien, ohne Männerdominanz, ressourcenschonend und nachhaltig und am Gemeinwohl orientiert. Stellen wir uns einfach mal vor, man würde in Zukunft einmal zufrieden zurückschauen und sagen können: früher sei alles viel schlechter gewesen – sogar die Aussichten.

designing the future really matters!

Über den Award

Seit 1992 zeichnet die Raymond Loewy Foundation jedes Jahr den begabtesten Designnachwuchs des Landes mit dem Lucky Strike Junior Designer Award aus. Dabei legt die Jury großen Wert auf die gesellschaftliche Relevanz, die Zukunftsfähigkeit sowie Innovationskraft der Projekte. Zur Jury des Nachwuchspreises gehören Prof. Johann H. Tomforde, Prof. Werner Aisslinger, Nils Jockel, Prof. Nina Juric, Prof. Wolfgang Laubersheimer, Stefan Sagmeister, Jürgen Plüss, Prof. Joachim Sauter, Dr. Angela Schönberger und Prof. Grit Seymour.

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