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Durchgelegen? Durchdacht!

Mitten in der Wüste Jordaniens wachsen fruchtbare Gärten. Nicht aus der trockenen Erde – sondern auf ausrangierten Matratzen. Das smarte Müll-Recycling soll Flüchtlingen neue Perspektiven geben  

Zu wenig Regen ist im Vereinigten Königreich eigentlich kein Thema. Trotzdem denkt Duncan Cameron an nichts anderes mehr. Gemeinsam mit seinen Wissenschaftskollegen Moaed Al Meselmani, Tony Ryan und Harry Wright forscht der Bodenmikrobiologe an der renommierten Sheffield University nach einer alternativen Möglichkeit der Landwirtschaft. Nicht für die feuchten Böden Englands allerdings – sondern für die jordanische Wüste. Beinahe 80 000 Menschen leben derzeit in Zaatari, dem weltgrößten Camp für Geflüchtete aus Syrien. In der Hitze und Trockenheit fehlt es ihnen an allem. Selbst Obst und Gemüse anbauen zu können, so der Glaube der Wissenschaftler, könnte nicht nur den Hunger im Camp bekämpfen, sondern den Familien auch ein Gefühl des Aufbruchs und der Hoffnung, ein wenig Selbstständigkeit vermitteln. Und nebenbei – das macht die Idee so brillant – ein Müllproblem beseitigen. Die fehlende feuchte Erde nämlich wird im „Garden Project“ durch das Innere alter Matratzen ersetzt. Meterhoch stapeln sich die ausrangierten, durchgelegenen Schaumstoff-Teile aus dem Sperrmüll in einer Lagerhalle des Camps. Wie sich ihr Material zum Pflanzenanbau nutzen lässt – das ist an der fast 4000 Kilometer Luftlinie entfernten Sheffield University schon lange Thema. Denn in den vergangenen 40 Jahren ging der Welt durch Klimawandel und Erderwärmung etwa 33 Prozent fruchtbarer Boden verloren, nicht nur in der Wüste Jordaniens. Also hat Cameron nach einer potenten Erd-Alternative gesucht – und sie im Schaumstoff gefunden. Im Grunde übernimmt das synthetische Material, was der Boden nicht mehr leisten kann: Es gibt den Wurzeln Halt und begünstigt durch seine poröse Struktur eine gute Luft- und Wasserzufuhr. Von allein wachsen auf den Matratzen aber noch keine Pflanzen. Ein bisschen Wissen gehört dazu. Wesentlicher Teil des Projekts ist also die Ausbildung. Was mit zehn Geflüchteten begann, hat sich von Familie zu Familie ausgebreitet. Mittlerweile ziehen mehr als 600 Menschen in Zaatari ihre eigenen Pflanzen hoch – in kleinen Boxen mit ein bisschen Schaumstoff darin. In den kommenden drei Jahren wollen die Wissenschaftler mindestens 5000 Geflüchteten den Lebensmittelanbau in der Wüste ermöglichen. Also bietet die Sheffield University auf ihrer Webseite eine Spendenmöglichkeit an. Viel darf, aber muss es nicht sein: Schon zehn Euro stellen Pflanzensamen und Nährlösung für eine ganze Familie bereit. Und genug alte Matratzen gibt’s ja sowieso.  Wer das Projekt unterstützen möchte, kann dies über sheffield.ac.uk/giving/donate/online tun.  

Dies ist ein Beitrag aus dem stilwerk Magazin „ever green“ von Manuel Almeida Vergara. Ihr Exemplar des stilwerk Magazins erhalten Sie an den stilwerk Standorten sowie im ausgewählten Zeitschriftenhandel. 

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