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Ecstasy zum Wohnen

Vor 50 Jahren entwarf Design-Legende Verner Panton seine psychedelische Wohnlandschaft „Visiona 2“, eine radikale Zukunftsvision – die heute so inspiriert wie damals. 

„Ich kann es nicht ertragen“, hat der dänische Designer und Architekt Verner Panton einmal gesagt, „in ein Wohnzimmer mit dem klassischen Sofatisch zu kommen, und zu wissen: Hier sitzt man nun den ganzen Abend fest!“ Wer das Original von damals oder die Ausstellungs-Rekonstruktion seiner Wohn-Utopie „Visiona 2“ erlebt hat, der weiß:  Weiter entfernt als von so einem Szenario kann man sich angesichts dieses kreativen Feuerwerks gar nicht fühlen. 1970 im Auftrag des Chemiekonzerns Bayer für die Kölner Möbelmesse entworfen, um Heimtextilien aus Kunstfasern zu bewerben, brach diese vierdimensionale Raumwelt mit allen traditionellen Wohnformen. Der Showroom, den der 1998 verstorbene Däne damals auf dem Rheinschiff „Loreley“ gestaltete, gilt bis heute als eine der revolutionärsten Zukunftsvisionen im Design des 20. Jahrhunderts.

Seine Pop-Art-Installation „Fantasy Landscape“ glich einer Disco aus leuchtenden Farben und organischen Formen. Anstatt getrennter Räume und dem, was man bisher unter dem Begriff Möbel verstand, entwarf Panton dafür Polsterelemente, die das ungezwungene Lebensgefühl der Zeit widerspiegelten. Mehr schall- und lichtgedämpfte Wohnhöhle als Liegelandschaft, verschwammen die Grenzen zwischen Boden und Decke, das Interieur wirkte wie ein halluzinogener Exzess. Auf manche so sehr, dass Marianne Panton, die Witwe des Designers, in einem Interview sogar mal der Vermutung widersprechen musste, im kreativen Prozess könnten Rauschmittel im Spiel gewesen sein. Ihr Mann habe einfach alle Sinne ansprechen wollen, antwortete sie. Das tut er bis heute. Und obwohl gerade schlichte Geradlinigkeit und Understatement die Interieur-Welt prägen, ist seine Vision noch immer richtungsweisend, weil sie zeigt, dass Grenzen im Design einzig dazu da sind, überschritten zu werden. Eine Vielzahl von Möbeln, Leuchten und Wandverkleidungen, die er für seine Wohnhöhle entworfen hat, sind später in abgewandelter Form in Serie gegangen. Einige werden noch heute produziert, wie beispielsweise der Lounge-Sessel „Amoebe", oder der „Living Tower", mit denen es sich bestens in den Panton’schen Farbrausch abtauchen lässt – oder, um es in seinen Worten zu sagen: „Man sitzt einfach bequemer auf einer Farbe, die man mag.“

Dies ist ein Beitrag aus dem stilwerk Magazin „Inspiring Spaces“  verfasst von Lena Schnindler. Die aktuelle Ausgabe des stilwerk Magazin erhalten Sie an den stilwerk Standorten Berlin, Düsseldorf und Hamburg sowie im ausgewählten Zeitschriftenhandel.

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