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Editor's Pick: Der Haute Couture Tresor

Marrakesch war seine Muse. Nirgends war das Modegenie Yves Saint Laurent kreativer und unbeschwerter als hier. Das Erbe seiner wagemutigen Kreationen und seine tiefe Verbundenheit zu Marokko zeigt das neue Musée Yves-Saint-Laurent Marrakech.

Von 1966 bis zu seinem Tod 2008 war Marrakesch eine Ersatzheimat für Yves Saint Laurent. Die „rote Stadt“ im Südwesten Marokkos war für ihn der ideale Rückzugsort vom hektischen Pariser Modegeschäft und mit ihrem besonderen Licht und leuchtenden Farben eine Quelle der Inspiration. Sie erinnerte den gebürtigen Algerier an das „verlorene Paradies seiner Kindheit“, wie er in einem Interview mit „Paris Match“ einst verriet. Seinen Wagemut verdanke er der Schamlosigkeit der Mischungen und dem Feuer der Erfindungskraft von Marokko, so der verstorbene Modeschöpfer. Dass dem Lebenswerk von Yves Saint Laurent im Jahr 2017 mit zwei neu eröffneten Museen – eine Dependance in seinem mondänen Atelier in Paris und eine in seiner späteren Wahlheimat Marrakesch – ein monumentales Denkmal gesetzt wurde, ist der Beharrlichkeit seines langjährigen Lebensgefährten und Geschäftspartners Pierre Bergé zu verdanken. Die beiden Männer verband unter anderem ihre Liebe zu Nordafrika und zur islamischen Kunst. So retteten sie 1980 mit dem Kauf des „Jardin Majorelle“ den subtropischen Künstler-Garten in der Wüstenstadt vor dem Verfall, und wohnten dort in der „Villa Oasis“ bis zu Saint Laurents Tod. „Ich träume von diesen Farben“, sagte Yves Saint Laurent einst über seine kreative Oase.

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Yves Saint Laurent, Place Djemaa El Fna 

Ein Tresor für Haute Couture-Schätze.

Gleich neben dem Garten eröffnete nun im Oktober 2017 nach rund vierjähriger Bauzeit das neue Musée Yves-Saint-Laurent Marrakech, kurz „mYSLm“. Den 15 Millionen teuren und 4.000 Quadratmeter großen Monumentalbau ziert eine Fassade aus Granitwürfeln mit aufgesetzter Ziegelsteinstruktur. Für ihren Entwurf ließen sich die Architekten Karl Fournier und Olivier Marty vom französischen Architekturbüro „Studio Ko“ von der Dualität der Kurven und Geraden, die sich in den Schnitten des berühmten Modeschöpfers wiederfinden, inspirieren. Mit dieser einzigartigen Formgebung wollten sie einen Kontrast schaffen: „Das Gebäude soll sehr streng, dabei aber weich wirken“, erklärt Fournier in einem Interview mit dem Magazin „i-D“. Und sein Partner Marty fügt hinzu: „Bergé wollte, dass das Museum modern und marokkanisch aussieht. Es sollte mehrschichtig und intim werden.“

Der faszinierende Bau spielt mit den Farben Marokkos und der Pracht der Traumkreationen von Yves Saint Laurent. Je nach Tageszeit erstrahlt die Fassade, die mit ihrer Struktur an Kette und Schuss aus der Weberei erinnern soll, in Rosa und Rot-Tönen. Der  Eingangsbereich mit seinen streifenartigen Lichtbrunnen taucht die eingefangenen Sonnenstrahlen in Blau und Gelb – Effekte, ähnlich den bunten Stickereien auf Saint Laurents Haute Couture Kleidern. Das imposante „mYSLm“, das neben einer 400 Quadratmeter großen permanenten  Ausstellungsfläche auch unter anderem eine Halle für temporäre Schauen sowie eine Bibliothek mit über 5.000 Bänden und ein Auditorium beherbergt, ist quasi ein Tresor für die Modeschätze des Meisters – deren Erhalt sich die Stiftung „Fondation Pierre Bergé – Yves Saint Laurent“ zur Aufgabe gemacht hat.

Saint Laurent liebte die Frauen.

In der Dauerausstellung werden rund 100 Kreationen gezeigt. Darunter sind auch die schwarzen Ensembles, die Saint Laurent in den ersten Jahren seiner Karriere entworfen hat. Unvergessen bleiben der Damen-Smoking mit Kummerbund und Seidenrevers und die Trenchcoats, mit denen der Designer nicht nur das Bild, sondern auch das Selbstbewusstsein der Frauen in den 1960er Jahren grundlegend veränderte. Passend dazu bemerkte Piere Bergé einmal:

Coco Chanel hat den Frauen die Freiheit gegeben, Yves Saint Laurent die Macht.

Saint Laurent liebte die Frauen, zumindest liebte er es sie anzuziehen – und das mit unglaublicher Innovationskraft. So erfand er den „Nude-Look“ mit transparenten Stoffen, er machte die Farbe schwarz alltagstauglich, und er brachte Kunst und Mode zusammen: Man denke nur an seine berühmten Mondrian oder Matisse Kleider. Auch Gaultiers berühmte Corsagen mit den spitzen Brüsten nahm er in seinen von afrikanischer Kunst inspirierten Kleidern mit stachelspitzen, großen Brustaufsätzen schon vorweg. Mode und Kultur waren für Yves Saint Laurent unzertrennbar. Er umgab sich mit Kunst und erlesensten Möbeln, ohne Musik und Theater war das Leben für ihn nicht vorstellbar. Und wenn Mode Kunst sein kann, dann ist Yves Saint Laurent ihr größter Künstler. Die zwei neuen Museen lassen daran keinen Zweifel.

Dies ist ein Beitrag aus dem stilwerk Magazin „Wunder“, verfasst von Nikolas Feireiss und Lena Unbehauen. Die aktuelle Ausgabe des stilwerk Magazins „anders“ gibt es zum Mitnehmen in den stilwerk Häusern Berlin, Düsseldorf und Hamburg und im ausgewählten Zeitschriftenhandel. Mehr zum „mYSLm" unter museeyslmarrakech.com | museeyslparis.com.

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