#einefragedesdesigns: Silvia Knüppel

Irritierend, surreal und dennoch hoch ästhetisch sind die Objekte der Designerin Silvia Knüppel. Im Interview spricht die Hamburgerin über ihre Anfänge, Designlieblinge und Kreativität.

Die in Hamburg geborene Produktdesignerin Silvia Knüppel hinterfragt in ihren Arbeiten die alltäglichen Funktionen von Gegenständen und gesellschaftlichen Konventionen. Auf pointierte Weise kombiniert sie ungewöhnlichen Materialien und Funktionen: Ein Sitzmöbel wird zusammengefügt aus dem Frankfurter Küchenstuhl und dem Lilla Aland Chair, ein Schrank besteht aus Schaumstoff für individuelle Einschnitte und eine Kommode aus 38 übereinander gestapelten Holzplatten zur flexiblen Schichtung. 

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Ausgebildet an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und der Design Academy Eindhoven, gründete Silvia Knüppel 2008 ihr eigenes Studio. Sie hat bereits mehrere Designpreise gewonnen und wurde mehrfach für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland in der Kategorie Newcomer nominiert. Auch Stipendien, wie das Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes, konnte sie erwerben. Ihre Arbeiten sind Teil der Wanderausstellung des Instituts für Auslandbeziehungen e.V., der Sammlung des Badischen Landesmuseums und werden immer wieder im In- und Ausland gezeigt. Silvia Knüppel hält international Vorträge und gibt Workshops. Seit 2012 ist sie u.a. als Dozentin an der Hochschule Hannover tätig.

Im Interview spricht die Hamburgerin über ihre Anfänge, Designlieblinge und Kreativität.

Initialzündung?
Ich habe mich für Kunst und Design schon recht früh sehr interessiert. Ich kannte persönlich keinen Künst­ler und konnte mir nicht vorstellen, wie man als solcher arbeitet. Ich dachte Design wäre die solidere Wahl. Mich interessiert insbesondere die Interaktion zwischen Mensch und deren Dingkultur, das Hinterfragen gelebter Nutzungsgewohnheiten und der experimentelle Umgang mit Materialien und Funktionen.

Liebstes Designstück im Alltag?
Das sind meist Dinge, zu denen ich auch eine persönliche Beziehung habe: seien es Geschenke, oder Geerbtes, Erinnerungsstücke wie die alten Kaffeedosen aus der früheren Kaffeerösterei meiner Großeltern. Aber auch gestaltete Produkte von Designern, die ich persönlich kenne und sehr schätze, wie zum Beispiel meinen tollen Papierkorb von Gompf und Kehrer, die wunderschönen Geschirrhandtücher von Raw Color, die das Textilmuseum Tilburg produziert, oder auch meine tolle und bereits recht alte Tasche von BLESS, die die Maße des Ikea Klassikers aufgreift, aus einem tollen Textil hergestellt wird und einfach wahnsinnig praktisch ist – und nicht zu vergessen meine wunderschöne Hose von der Hamburger Modedesignerin Irina Rohpeter die ich am liebsten jeden Tag anziehen möchte...

Lieblingsplatz zu Hause?
Mein Lieblingsplatz ist auf jeden Fall die Küche, am besten mit einem schönen und großen Esstisch. Die Küche ist einfach der zentralste, meist gemütlichste und lebendigste Ort in fast jedem zu Hause und so viel mehr als bloß Küche. 

Kreativster Ort?
Der Ort ist eigentlich nicht so wichtig, dass kann überall sein: auf Reisen, in einem Café, im Museum oder aber auch im Studio am Schreibtisch und auf Knopfdruck. Professionell angewandte Kreativität fällt mir recht leicht. Die Umsetzung, aus der Idee ein Produkt bzw. Objekt werden zu lassen, sich für Materialien, Farben und Herstellungsverfahren zu entscheiden, oder diese zu entwickeln, das ist das wirklich schwierige und kann mitunter sehr lange dauern. Es bereitet mir oftmals Kopfzerbrechen.

Helden?
Ich bewundere jeden Menschen, der etwas aus Leidenschaft tut, und hierfür einen etwas steinigeren Weg in Kauf nimmt. Ich schätze Designer, die etwas wagen, die nicht nur auf den Mainstream und sogenannte Trends aufspringen und auf omnipräsente PR Darstellung setzen. Ich schätze Arbeiten, die auch inhalt­lich einen kulturellen Wert darstellen, Fragen aufwerfen und mich inspirieren können.

Lieblingsmaterial?
Das kann ich noch nicht genau beantworten. Ich habe leider noch nicht mit allen Materialien dieser Welt gearbeitet. Sehr gerne verwende ich natürliche Materialien wie Holz, Textilien, Keramik oder Glas. Mich interessieren auch sehr alte, in Vergessenheit geratene Materialien und Verarbeitungstechniken. Mit Kunststoffen habe ich bisher noch nicht so viel Erfahrung. Mich würde es aber sehr interessieren, auch mit Biokunst­stoffen zu experimentieren und zu arbeiten. Als Designer trägt man auch gegenüber der Umwelt eine große Verantwortung. Soweit es mög­lich ist, versuche ich auf die Verwendung von nachhaltigen Materialien zu achten.

Stil?
Ich bin kein Freund von Schubladen. Ich kann mich überall ein wenig wiederfinden. Ich arbeite meist sehr konzeptionell, experimentell und oft von der Funktion ausgehend. Auch finde ich das Spiel mit archetypischen Formen sehr spannend.

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