#einefragedesdesigns: Sohyun Yun

Mit dem „Layer Chair“ startet Sohyun Yun ihre Karriere. Mit stilwerk spricht die junge Koreanerin über ihre Motivation und persönlichen Inspirationsquellen.

Die koreanische Designerin Sohyun Yun studierte an der Seoul National University of Science & Technology und machte 2016 mit dem „Layer Chair“ ihren Abschluss. Studienaufenthalte an der School of Visual Art in New York sowie der technischen Universität in Istanbul formten ihren künstlerischen Designansatz. Den „Layer Chair“ präsentierte sie in Ihrem Abschlussjahr auf verschiedenen Messen u.a. in Mailand auf dem Salone del Mobile.

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des stilwerk Hamburg zeigte Sohyun Yun ihr Objekt auch in einer Installation im stilwerk in der Großen Elbstraße – und damit erstmalig in Deutschland. Den vollständig aus Acryl gefertigten „Layer Chair“ entwickelte Sohyun Yun als Antwort auf die Schnelllebigkeit der modernen Industriegesellschaft. Durch die Möglichkeit mit unterschiedlichen Motiven den Stuhl individuell anzupassen, folgt er dem aktuellen Megatrend „Customization“. Inzwischen ergänzen zwei  Tischvarianten, eine Vase und ein Spiegel die „Layer“-Serie.

Aktuelle Trends aufgreifen und gleichzeitig klassische Positionen vertreten: Die junge Koreanerin erzählt im Gespräch mit stilwerk, wie sie beide Welten kreativ verbindet.

Initialzündung?
Mich trieb eine spontane Motivation zum Design. Es gab keinen eindeutigen Grund. Ich zeichnete und schuf gern Dinge per Hand. Das klingt vielleicht hochtrabend, aber ich wollte eine einflussreiche Person werden. Ich wollte nicht nur etwas machen, das mir Spaß macht, sondern auch etwas, das die Menschen berührt und beeinflusst. Dieser Wunsch passt zum Beruf des Designers. Zuerst dachte ich, ein Designer gestaltet nur das Äußere, aber das ist falsch. Designer können den Lebensstil von Menschen verändern.

Liebstes Designstück im Alltag?
Mein iPhone. Ich benutze es schon seit knapp 10 Jahren. Es ist mein absolut bestes Designobjekt und es begleitet mich jeden Tag. Das iPhone ist für mich – unabhängig vom Titel „Smartphone“ – eine Ikone unserer Zeit. Entsprechend der Idee des Minimalismus hat es keine unnötigen Details, sondern „nur“ alles, was man braucht. Es ist ein in sich geschlossenes Produkt. Und ich glaube, dass das iPhone die Definition von Handys revolutioniert und deren Rolle in unserem Leben stark ausgeweitet hat. Persönlich gefallen mir besonders die frühen Modelle sehr gut. Ich liebe deren klassische und abgerundete Gestaltung. Ich werde nie den ersten Moment vergessen, in dem ich das iPhone 3GS zum ersten Mal gesehen habe.

Lieblingsplatz zu Hause?
Mein Zimmer. Dort gibt es nur Dinge, die ich liebe. Ich habe eine Sammelleidenschaft für Poster von Ryan McGinley, Fotobände von Nick Knight, Bilder von Magritte, Vintage-Sachen, Erinnerungsstücke von meinen Reisen. Diese Dinge inspirieren mich und machen mein Zimmer zu einem speziellen und persönlichen Ort.

Kreativster Ort?
Das klingt vielleicht merkwürdig, aber ich bin am kreativsten, wenn ich koche. Kochen und Gestalten sind sehr ähnlich. Beim Kochen bin ich allerdings noch freier. Design ist nicht nur kreativ – man braucht auch akkurate Prozesse und passende Geräte. Design ist daher im Sinne der Improvisation im Gegensatz zum Kochen limitiert. Beispielsweise wollte ich einmal „Eggs Benedict“ machen. Bei der dazugehörigen Sauce Hollandaise merkte ich, dass ich keine Butter mehr hatte. Kurzerhand entschied ich mich stattdessen für eine Sauce aus Milch, Mayonnaise, Bratensauce und Zitrone. Das war witzig und frei von Regeln. Ich habe große Freude am Zubereiten von kreativem Essen. Manchmal kommen mir beim Kochen Ideen und ich setze diese dann in Design um. So ist das Kochen meine Inspirationsquelle. 

Helden?
Ich habe mir zwar Gedanken über Idole gemacht, habe aber keine Helden. Als Designerin möchte ich mit meiner eigenen Persönlichkeit wachsen und nicht jemand anderes sein. Aber Lieblinge habe ich natürlich schon: Zum Beispiel die Designmarke nendo. Ich finde mich in ihrer Philosophie wieder und die Produkte und Räume sind intelligent und intuitiv gestaltet. Ich denke, ich kann viele Dinge von ihnen lernen.  

Posted by nendo on Mittwoch, 25. Mai 2016

Oder Elon Musk, Gründer von Unternehmen wie SpaceX, Tesla oder SolarCity und damit sozusagen der „Tony Stark“ unserer Realität. „Imagine the values people cherish and then make them visible“ – diese Überzeugung und auch das in Frage stellen der Probleme der Menschheit faszinieren mich. Für ihn geht es darum, sich auf die Möglichkeiten und die Gründe für eine Umsetzung dieser zu konzentrieren, anstatt immer wieder die Grenzen und Probleme aufzuzeigen. Dabei geht es beispielsweise auch um die Realisierung von nachhaltigen Energien und Materialien. Auch wenn wir aus unterschiedlichen Bereichen kommen, beeindruckt Elon Musk mich sehr.

Lieblingsmaterial?
Ich habe kein Lieblingsmaterial. Aber ich möchte, dass die analoge Sensibilität in Zeiten der sich immer schneller entwickelnden Technologien und Ideen nicht verloren geht. Daher interessieren mich vor allem Materialien, die alle fünf Sinne ansprechen. Auch transparente Materialien wie Acryl oder Glas gefallen mir gut, weil „Transparenz“ eine Eigenschaft ist, die es in der Realität nicht gibt.

Stil?
Es ist schwierig, zu definieren und zu beschreiben, was mein Stil ist. Ich mag es, gegensätzliche Charaktere zu kombinieren. Wenn ich Dinge aussuche oder Häuser dekoriere, tendiere ich getreu dem Motto „Classic is forever“ zu einer zeitlosen Ausstattung. Meine Vorliebe für Vintage-Accessoires beruht vermutlich auf diesem Wunsch nach Zeitlosigkeit und einer Nostalgie zur analogen Welt.

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