#einefragedesdesigns: Thomas Feichtner

Ausgezeichnet mit dem „Staatspreis für Design 2011“ ist Thomas Feichtner einer der wichtigsten österreichischen Designer der Gegenwart. Mit stilwerk spricht er über seine Anfänge und den eigenen Stil.

Ausgezeichnet mit dem „Staatspreis für Design 2011“  ist Thomas Feichtner einer der wichtigsten österreichischen Designer der Gegenwart. Seine Entwürfe für Marken wie vitra, Thonet, Absolut, FSB, Wiener Silber Manufactur, Augarten Porzellanmanufaktur oder TON liegen zwischen Kunstwerk und Serienprodukt. Seine bekanntesten Stücke zeichnen sich durch klare Linienführung, polygone Elemente und geometrische Formen aus. Sie sind international mehrfach ausgezeichnet und waren in zahlreichen Sammlungen – beispielsweise im International Biennal of Design in Saint Etienne/Frankreich oder bis heute im MAK (Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst) – zu sehen.

2010 bis 2014 war Feichtner Professor für Produktdesign an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, lebt und arbeitet allerdings mit Frau und Sohn in Wien. Mit stilwerk spricht er über seine Anfänge und den eigenen Stil.

Initialzündung?
Ich hatte zu Beginn meines Studiums nicht wirklich daran gedacht, Designer zu werden. Ich hatte mich zwar für das Studium Industrial Design eingeschrieben, aber eher um meine Eltern zu beruhigen. In ihren Ohren klang Design erfolgsversprechender als Malerei. Erst nach meinem Studium entwickelte ich ein echtes Interesse für Design. Ich entwarf zunächst viele Investitionsgüter bevor ich meine ersten Möbel gestaltete. Erst spät wurde mir bewusst, dass ich zwar Designer bin, aber mich nur mit „fremden“ Produkten anderer Designer umgebe. Das wollte ich ändern, also begann ich damit, Möbel, Tableware, Leuchten, etc. zu entwerfen. Heute ist Design für mich eine Art Lebenseinstellung geworden: ein aktiver Zugang, Dinge zu verändern. Es ist die Faszination an Esprit, Raffinesse, Intelligenz und nicht zuletzt an der Form eines Gegenstands.

Liebstes Designstück im Alltag?
Mein elektrischer Bleistiftspitzer. Spitzt jeden Tag, seit mehr als 20 Jahren.

Lieblingsplatz zu Hause?
Das ist schwer zu sagen, denn im Moment ist unser Zuhause gleichzeitig Fußballplatz und Skateboardpark. Unser Sohn ist acht.

Kreativster Ort?
In meinem Atelier.

Helden?
Ich habe sehr viel Respekt vor allen Designern, die von ihrer Arbeit leben können. Erstaunlicherweise sind das nicht viele, vor allem Frauen haben es in diesem Beruf nicht leicht. Während das Geschlechterverhältnis im Studium noch ausgewogen ist, gibt es im Berufsleben wenig etablierte Gestalterinnen.

Lieblingsmaterial?
Ich zeichne sehr gerne mit Bleistift. Es ist der schnellste und einfachste Weg meine Gedanken zu ordnen und zu archivieren. Aber auch das Arbeiten mit Karton und Styrofoam, also das Bauen von Proportionsmodellen, macht viel Spaß. Nach einem Jahrzehnt des 3D-Modelings und der Computerrenderings habe ich das manuelle, haptische als eine neue Qualität für mich wiederentdeckt.

Stil?
Am liebsten hätte ich gar keinen Stil. Aber wie ich heute weiß, ist zeitloses Design eine Utopie. Design reflektiert immer die Epoche, aus der es kommt. Design ist selten ein Blick in die Zukunft, sondern häufig nur die Reflexion dessen, wie wir uns die Zukunft vorstellen. Sagen wir so, ich bin auf der Suche nach der Identität der Dinge. Dabei möchte ich vermeiden, mir einen Stil anzueignen. Wenn ich bei einem Entwurf das Gefühl habe, ein anderer Designer wäre auf dasselbe Ergebnis gekommen, verwerfe ich diesen. Identität und Eigenständigkeit sind mir in jedem Entwurf wichtig.

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