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#einefragedesdesigns: Tobias Wallisser

Im März 2021 ist der Architekt Tobias Wallisser von LAVA (Laboratory for Visionary Architecture)bei „ReFraming Architecture" von stilwerk zu Gast und spricht mit Moderatorin Kristien Ring (Deutsches Architektur Zentrum) in der neuen Interstuhl Lounge zum Thema „Zukunft & Nachhaltigkeit". Vorab verrät Wallisser in unserer Interviewserie #einefragedesdesigns mehr über seine Anfänge, Helden und Stil.

Tobias Wallisser studierte Architektur an der TU Berlin sowie der Universität Stuttgart und absolvierte sein Postgraduate an der Columbia University in New York/USA. Nach seinem Studium begann Wallisser seine Karriere im Büro UNStudio mit Ben van Berkel und Projekten wie dem Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart oder dem Transferium in Arnheim/Niederlanden. 2007 gründete er gemeinsam mit Chris Bosse und Alexander Rieck das Büro LAVA (Laboratory for Visionary Architecture). LAVA fungiert als internationales Netzwerk mit Standorten in Berlin, Stuttgart und Sydney/Australien und ist für seine ungewöhnliche Herangehensweisen und Umgang mit Themen wie Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeit und Digitalität bekannt. Die rund 50 LAVA-Architekten arbeiten an interdisziplinären Projekten in Deutschland, Dubai, Saudi Arabien, China und Vietnam. 2016 wurde das Büro mit dem renommierten European Architecture Award ausgezeichnet.

Darüber hinaus ist Tobias Wallisser seit 2006 als Professor für Digitales Entwerfen und seit 2011 als Prorektor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart tätig. 2021 ist er als Speaker bei ReFraming Architekture – dem B2B Netzwerk von stilwerk – zu Gast und spricht mit Kristien Ring (DAZ) zum Thema „Zukunft & Nachhaltigkeit". Im Vorfeld spricht er mit uns über seine Anfänge, Helden und Stil.

Initialzündung?
Bei mir war das eher ein langer Prozess als eine wundersame Eingebung. Mit sechs Jahren war ich jedes Wochenende mit meinem Vater auf der Baustelle unseres zukünftigen Hauses. Mein Schülerpraktikum absolvierte ich in einem Architekturbüro und Bücher über Architektur haben mich immer schon interessiert und mich zum eigenen Ausprobieren von zeichnerischen Darstellungen inspiriert. In der Architektur kam alles zusammen, was mich fasziniert: geometrische Prinzipien, grafische und räumliche Strukturen sowie eine unendliche Vielfalt an Möglichkeiten.

Liebstes Designstück im Alltag?
Eigentlich hatte ich bis zum Ausbruch der Pandemie kaum einen geregelten Alltag, deswegen spielen mehrer Gegenstände eine wichtige Rolle: Mein robuster Hartschalenkoffer aus der ersten Serie von Horizn, der das Zuhause to go aufnahm. Ohne Telefon und Laptop wäre es für mich unmöglich zu arbeiten – beide Geräte sind weit mehr als nur praktische Begleiter, die Gestaltung der Hardware und der Software sind wichtig. Ohne Touchscreen, Zeichenstift und Internetverbindung in die Welt hinaus könnte ich mir keinen Tag vorstellen.

Lieblingsplatz zu Hause?
Wenn ich zu Hause bin, sitze ich am liebsten in unserer Wohnküche an einem großen „sloophout"-Tisch von Piet Hein Eek – eine Erinnerung an unsere lange Zeit in Amsterdam. Er ist Essplatz und Arbeitsfläche zugleich, man sitzt gut alleine oder mit vielen Gästen – ein wunderbares Beispiel für Nutzungsvariabilität und Flexibilität.

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Kreativster Ort?
Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, an vielen Orten kreativ sein zu können, auch unterwegs auf Reisen. Wichtig sind Abwechslung und sich verändernde Einflüsse. Am besten entspannen wiederum kann ich auf unserem Grundstück an einem kleinen See in Brandenburg mit Sicht in die Natur. Dort entstehen am Wochenende viele neue Ideen, zunächst ganz ohne digitale Werkzeuge.

Helden?
Am meisten faszinieren mich visionäre Menschen, die ihre Berufung gefunden haben und sich in ihrer künstlerischen Arbeit nicht von der Meinung der Masse beeinflussen lassen. Bei Architekten zum Beispiel der Ansatz von Frei Otto, Gestaltung aus Prinzipien der Natur entstehen zu lassen und Architektur als forschenden Prozess zu definieren. Oder Cedric Price, der in den 1960er Jahren bahnbrechende Konzepte entwickelte, die vieles vorweggenommen haben, was erst heute umsetzbar ist. Er ist sogar soweit gegangen, Projekte abzulehnen, wenn er keinen Sinn in ihnen erkennen konnte, wie in der Anekdote des Ehepaars, das von ihm ein Haus geplant haben wollte und als Antwort bekam: „You don't need a house, you need a divorce". Und meine Frau Leonie. Sie hat ihr eigenes Berufsbild definiert und setzt mit Cityplot Projekte basierend auf den Prinzipien der Permakultur, Ökologie und Landschaftsgestaltung um.

Markanter Wohnohrt?
Das ist nicht einfach zu beantworten, denn jede der Städte, in denen ich nach dem Studium gewohnt habe, hatte ihren besonderen Reiz und unsere Wohnungen haben das widergespiegelt. Zunächst haben wir für zwei Jahre mit einem Kleinkind in einem Studio in einem umgebauten Bürohochhaus mitten in Manhattan gewohnt: Das Wohnzimmer waren die Cafés und Restaurants der Stadt; die Parks das Kinderzimmer. Danach haben wir 13 Jahre in Amsterdam gewohnt und dort zwei Wohnungen für uns um- und ausgebaut. In einer so engen Stadt ist mit dem Fahrrad alles bestens erreichbar, aber die eigene Wohnung als Rückzugsort besonders wichtig und man lernt jeden Quadratmeter zu nutzen und zu schätzen. Seit 10 Jahren sind wir jetzt in Berlin zu Hause und geniessen die Großzügigkeit der Gründerzeitgrundrisse. Unsere derzeitige Wohnung steht unter Denkmalschutz, wir haben die Tapeten entfernt und die Wände im Kontrast zu den Originaldetails roh gelassen.

Stil?
Unter Architekten gibt es eine endlose Diskussion über Stil. Die meisten sagen gerade, sie wollen keinen erkennbaren Stil haben. Mit Stil habe ich kein Problem: mir gefallen fliessende Formen und komplexe Geometrien, die vielfältige, spannende Innenräume schaffen. Da wir im Büro größtenteils Sonderbauwerke bearbeiten, gibt es weniger formal erkennbare Stilmerkmale als erkennbare Prinzipien. Wir bringen Natur und Technik zusammen und schaffen differenzierte Raumgefüge. Kritiker haben das schon als „New Nature" beschrieben.

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