Glänzende Aussichten.

Wer wagt, gewinnt. Zumindest manchmal. Ein Interview mit der Berliner Designerin Ina Beissner über Mut und Glücksbringer.

Geradlinig, minimalistisch, pur – Ina Beissners Schmuck ist so ziemlich das Gegenteil von ihrem Lebenslauf. Als Tochter eines Deutschen und einer Dominikanerin wurde die 34-Jährige in Peru geboren. Die Arbeit ihres Vaters führte sie über Mexiko und Kolumbien nach Deutschland, wo sie in Berlin ihre Jugend verbrachte und Modedesign studierte. In Mailand spezialisierte sie sich auf Schmuck. Bevor sie 2010 ihr eigenes Label gründete, tourte sie durch die Modebranche: In Berlin arbeitete sie bei Sei So, in Mailand in einem Korrespondenzbüro für Modemagazine, in New York bei einer PR-Agentur und beim Designerduo Proenza Schouler und in Madrid bei Vogue. Wenn man Ina Beissner gegenübersitzt, fallen gleich ihre bernsteinfarbenen Augen und die fröhlichen Sommersprossen auf. Zu Milchkaffee und Hefezopf in ihrem Atelier bietet sie das „Du“ an.

Was begeistert dich an Schmuck?
Im Gegensatz zur Mode geht es immer um Volumen. Man muss dreidimensional denken. Das reizte mich schon während des Modedesignstudiums. Für meine Schlusspräsentation entwarf ich auch ein paar Schmuckstücke. Für die ich dann mehr Aufmerksamkeit bekam als für die Kleider.

Wieso der Umweg über die Mode?
Ich hatte außer meinem einjährigen Intensivkurs in Mailand keine Erfahrungen im Schmuckgeschäft. Kein kaufmännisches Wissen. Jemanden zu finden, der eine Kollektion aus gerade mal 25 Teilen für mich fertigen würde, war eine Herausforderung, ein Sprung ins kalte Wasser.

Es ging ja ziemlich schnell voran...
Schon während meiner Premiere auf der Internationalen Messe für Modeaccessoires in Paris wurde ich vom Pariser Edelkaufhaus Colette entdeckt – mein erster Kunde!

Warum wurde dein Mut belohnt?
Fast alle arbeiteten zu der Zeit mit Swarovski-Steinen. Es ging immer um Bling-Bling. Ich präsentierte dagegen schlichte, zeitlose Formen. Das fanden die Leute offenbar erfrischend. Modeschmuck ist außerdem ein wichtiges Accessoire geworden.

Obwohl das Wort irgendwie immer einen negativen Klang hat.
Aber nur im Deutschen. Im Englischen sagt man „Costume Jewellery“, das klingt doch gleich ganz anders. In Zukunft würde ich dennoch gern Echtschmuck machen. Massivgold statt platiniertem Silber und Messing. Edelsteine! Ich liebe es, neue Dinge auszuprobieren.

Du bist als Kind viel herumgekommen. Hat sich das auf deine Entwürfe ausgewirkt?
In Lateinamerika ist Schmuck allgegenwärtig. Von der Kultur der Azteken und den Mayas habe ich Designelemente entliehen, sehr abstrakte Formen, von denen man nie denken würde, dass sie schon so alt sind. Ansonsten lasse ich mich viel von zeitgenössischer Kunst und der Architektur der 20er-Jahre inspirieren.

Und immer wieder taucht dein Markenzeichen auf – das Glöckchen. Hat es eine Bedeutung?
Als ich meinen Vater in Peru besuchte, fand ich eine alte Rassel aus Silber, die er für mich aufbewahrt hatte. Es war ein Kinderspielzeug von mir. Als ich es wieder sah, dachte ich: Das wäre doch mal eine interessante Form. Glöckchen haben außerdem immer auch eine spirituelle Komponente. Sie sind wie ein Talisman.

Hello from my birthtown Lima xx Ina #quelindoesperu

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Dabei ist Silberschmuck gerade so gefragt.
Am besten läuft mein Schmuck in der Schweiz. In Deutschland geht es langsam voran.

Dabei ist dein Schmuck irgendwie auch typisch deutsch.
Das Reduzierte vielleicht. Für außergewöhnlichere Details ist man hier aber doch verschlossen. In Italien ist das anders. Deshalb habe ich meine komplette Produktion von Pforzheim dorthin verlegt.

Du selbst bist aber in Berlin geblieben.
Weil es ein Stück weit Heimat für mich ist, mein Vater ist schließlich Berliner. Er ist auch mein Geschäftspartner, hat mich von Anfang an unterstützt – auch finanziell. Aber vor allem hilft mir sein kaufmännisches Know-how. Er hat sein Leben lang bei einer Pharmafirma gearbeitet.

Hast du auch einen Glücksbringer?
Eine alte Rolex, die ich von meiner Mutter geerbt habe. Mein Vater schenkte sie ihr zu meiner Geburt. Ich nehme sie niemals ab. Ansonsten trage ich nur meinen eigenen Schmuck. Bisher hat er mir Glück gebracht.

New bracelets hitting the onlineshop soon! Stay on the lookout!

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Das ganze stilwerk Magazin „Mut“ können Sie hier online lesen:

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