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Glashütte Alt-Stralau | Recycled Architecture

Neue Chance für ein Baudenkmal. Im Rahmen der diesjährigen Jahresausstellung „da! Architektur in und aus Berlin" mit 67 ausgestellten Bauten im stilwerk Berlin, stellen wir das Projekt Glashütte Alt-Stralau des Büros Eyrich-Hertweck Architekten vor. Passend dazu können Sie aktuell das Jahrbuch der Berliner Architektenkammer gewinnen.

In der Serie Recycled Architecture widmet sich stilwerk architektonischen Fossilien, die dank großer Visionen wieder zum Leben erwachen und als einzigartige Juwelen ganze Stadtviertel prägen – fantasievoll, elegant und inspirierend.

Mehr als 100 Jahre wurde auf der Halbinsel Stralau Glas hergestellt und verarbeitet, bevor Mitte der 1990er Jahre die Produktion eingestellt wurde. Durch die steigenden Wohnungspreise in Berlin und die große Nachfrage nach Wohnungsbau, wurde das Bauland neben der S-Bahnlinie zwischen Ostkreuz und Treptower Park ab 2010 langsam für Investoren interessant. Doch während diese den Abriss des ehemaligen Werkstattgebäudes der Stralauer Glashütte in Betracht zogen, das früher in einem Konglomerat von Flaschenproduktionsgebäuden stand,  wollte die Stadt die noch wenigen vorhandenen Industriegebäude auf dem Gelände erhalten.

Frau Zieske – eine Immobilienmaklerin aus Berlin, die sich 2010 in das Gebäude aus dem Jahr 1923 verliebte – fand mit den Architekten Eyrich-Hertweck die passenden Mitstreiter für den Kampf um den Erhalt des Gebäudes. Von 2012 bis Ende 2015 ging es durch die Behörden bis zum Abgeordnetenhaus, um die Stadt endgültig von der Rettung des Gebäudes und dem gemeinsam entwickelten Konzept des gemeinschaftlichen Wohnens zu überzeugen. Ende 2015 konnte die neu gegründete Baugruppe Glashütte Alt-Stralau dann endlich das Grundstück mit dem ehemaligen Werkstattgebäude erwerben. 2019 wurde das Projekt als eines von 67 ausgewählten Bauprojekten im Rahmen der Jahresausstellung „da! Architektur in und aus Berlin" im stilwerk Berlin und im Jahrbuch der Architektenkammer Berlin präsentiert. Mit etwas Glück können Sie mit stilwerk aktuell eine Ausgabe des Jahrbuchs gewinnen. Mehr dazu hier ›

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Durch seine prominente Lage – parallel zur S-Bahn – und die besondere Struktur, ist das Gebäude den meisten Berlinern bekannt und die ersten Baumaßnahmen wurden mit großem Interesse verfolgt. Das klar ablesbare ausgemauerte Eisentragwerk des Werkstattgebäudes mit dem prägnanten Einschnitt in Längsrichtung, das einst der Zugdurchfahrt diente, mit dem darüber liegenden, 39 Meter langen genieteten Stahlträger, sowie die Reste zweier Verbindungsbrücken an der Ostfassade machen den Wiedererkennungswert des Gebäudes aus.

Eyrich-Hertweck Architekten arbeiteten mit altem Foto- und Planmaterial, um sich ein Bild der ehemaligen Gestalt des Werkstattgebäudes zu machen. Über die Jahrzehnte wurden an dem Gebäude starke Veränderungen vorgenommen. Das Ziel der Architekten war es, das Gebäude seiner ursprünglichen Gestalt wieder anzunähern und nur insoweit zu verändern, wie es für die neue Nutzung als Wohngebäude mit 25 Wohnungen und einer Gewerbeeinheit notwendig wird. Die Veränderungen in der historischen Bausubstanz sollten dabei klar ablesbar und eigenwillig sein. Sie sollten nicht versuchen, sich der alten Struktur unterzuordnen, aber das Gebäude auch nicht schwächen. Die hinzugefügten Elemente aus rauem, unfertigem, rostigem Stahl außen und aus Sichtbeton im Inneren machen aus einer reinen Rekonstruktion ein eigenständiges neues Gebäude.

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Vermauerte Fenster wurden geöffnet und später hinzugefügte Mauern entfernt. Dunkle Zinkfassaden mit großen Fenstern umschließen das einst offene Erdgeschoss und – als Reminiszenz an das frühere Bitumendach – auch das neue aufgestockte Dachgeschoss. Aktuelle Ergänzungen, darunter neue Balkone, sind im Kontrast dazu mit rostigem Stahl verkleidet.

Durch direkte Zugänge zu einzelnen Wohnungen von außen und einem inneren Laubengang mit Maisonetten konnte darauf verzichtet werden, ein weiteres Treppenhaus in die alte Bausubstanz einzuschneiden. Die bestehenden Treppenhäuser wurden um das Dachgeschoss und einen Aufzug erweitert.

Die charakteristische Stahlstruktur des Bauwerks sollte auch in den Innenräumen sichtbar bleiben. In die hohen lichtdurchfluteten Etagen wurden daher niedrige Sanitär- und Serviceboxen eingestellt, die begehbar sind und somit zusätzliche Staufläche bieten. So entstanden fließende Räume und Blickachsen quer durch das Gebäude, die in den Wohnungen den Loft-Charakter erhalten.

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Nachdem das Gebäude von den Sünden der Vergangenheit in Form von Schadstoffen gereinigt worden war, war es den Architekten wichtig, keine neuen Schadstoffe in das Gebäude einzubringen:  Für den Umbau und die Sanierung wurden ökologische, nachhaltige Baustoffe verwendet. Calciumsilikatplatten als Innendämmung und Holzfaserdämmplatten als Außendämmung, im zweischaligem Fassadenaufbau und im Trockenbau, eine Zellulose-Einblasdämmung im Dachaufbau. Die Verwendung von Kalkzementputz und Silikatfarben im Innenraum erhöhen die Wohnqualität. Schon während der Bauzeit war die Architektin von den Gerüchen auf der Baustelle beeindruckt. Es roch nicht nach Chemie, sondern erstaunlicher Weise einfach frisch.

Energietechnisch gesehen war das Gebäude eine große Herausforderung. Die bestehende Stahlkonstruktion, die sich von der Fassade in das Innere des Gebäudes zieht, ist sozusagen eine einzige Wärmebrücke. Um das Erscheinungsbild der ehemaligen Glashütte wiederherzustellen war eine Außendämmung nicht möglich. Daher entwickelten Architekten in Zusammenarbeit mit der Bauphysikerin Frau Woge vom Büro Wilke eine zweischalige, hinterlüftete Fassade:  In der äußeren Fassadenschicht wurden die historischen, einfach verglasten Fenster rekonstruiert. Die neue, innere Fassadenschicht ist mit isolierten Doppelkastenfenstern mit integriertem Sonnenschutz ausgestattet. Träger, Wände und Decken wurden in den ersten inneren 50 cm gedämmt.

Behutsam wurde der denkmalgeschützte Bestand von Eyrich-Hertweck Architekten saniert und wieder seiner ursprünglichen Gestalt angenähert. Die Wiederverwendung und das Upcycling von alten Bauelementen und Baumaterialien sorgen heute bei der Begehung des Gebäudes zu positiven Überraschungen. Die charakteristische Stahlstruktur des Bauwerks ist auch in den Innenräumen sichtbar geblieben. So erinnert die Glashütte innen wie außen an frühere Zeiten und gibt dem Stadtteil einen Erkennungswert.

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