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Investing in Design

In was sollte man investieren? Lohnt sich Kunst noch oder setzt man auf Kryptowährung und Design? Cheyenne Westphal ist die deutsche Chairwoman beim renommierten Londoner Auktionshaus Phillips. Im stilwerk Interview erzählt sie vom Wandel der Branche und wie Investment in schöne Dinge heute funktioniert.

Was passiert bei einem der größten Auktionshäuser, wenn plötzlich die Welt stillsteht?
Zuerst war es ein großer Schock. Aber wir konnten uns schnell neu orientieren. Seit 2014 haben wir die Strategie „digital first“, unsere Online-Plattformen waren also schon hervorragend ausgebaut. Aber wir mussten uns fragen: Wie können wir Auktionen Sammler näherbringen, die einfach nicht kommen können? Wir haben uns noch tiefer in unsere Käufer hineingedacht. Von der Art, wie wir die Objekte fotografiert und gefilmt haben, bis zur Präsentation und Videoproduktion der Auktionen.

Was ist daraus dann entstanden?
Beispielsweise virtuelle Rundgänge in Galerien, die voll mit Bildern waren, aber ohne Kunden. Das Live-Streaming einer Auktion kam auch dazu. Hier mussten wir etwas entwickeln, an dem Kunden aktiv teilnehmen können, und alles musste genauso spannend sein wie eine analoge Auktion. Anstatt 200 Gästen im Saal, 30 Telefonleitungen und ein paar Online-Bieter haben wir jetzt eine völlig neue Situation: eine Mischung aus digitaler Präsenz und Live-Streaming – viel versierter als vor der Pandemie. Vor Jahren haben wir schon eine App entwickelt, damit beim Mitbieten keiner am PC hängen muss. Diese Freiheit beim Kaufen ist die Zukunft.

Verjüngt sich damit die angestaubte Auktionswelt?
Man muss es im großen Ganzen sehen. Technische Innovationen transformieren die Kunstwelt und damit auch die Käuferschaft. Die nächste Generation steht bereit. In Asien ist der Zuwachs an jungen Käufern am stärksten. Dort gehen 34 Prozent unserer globalen Verkäufe hin. Die junge Generation beeinflusst also deutlich den Kunstgeschmack. Diesen Kunden reicht kein Katalog zum Durchblättern, sie möchten etwas erleben. Hier fließt gerade unsere ganze Kreativität hinein.

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Auktion New York, 16. Dezember 2014 | Isamu Noguchi | „The Goodyear Table“, for A. Conger Goodyear, Old Westbury, New York | 1939 | verkauft für $4.450.500

Auktion New York, 16. Dezember 2014 | Isamu Noguchi | „The Goodyear Table“, for A. Conger Goodyear, Old Westbury, New York | 1939 | verkauft für $4.450.500

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Auktion New York, 16. Dezember 2014 | Eileen Gray | The Maharaja of Indore's „Transat" chair, from Manik Bagh Palace | 1930 | verkauft für $1,538,500

Auktion New York, 16. Dezember 2014 | Eileen Gray | The Maharaja of Indore's „Transat" chair, from Manik Bagh Palace | 1930 | verkauft für $1,538,500

Viele Künstler:innen setzen ihre Werke mittlerweile nur noch im digitalen Raum um. Glauben Sie an den Hype von Kryptowährung & Co.?
Was wir sehen, ist ein Medium, das sehr ernst genommen wird. Wir haben auch unsere ersten NFTs – Non-Fungible Tokens – angeboten und viel gelernt. Positiv und spannend, aber man muss genau hinschauen, woher das Geld kommt. So eine Währung kann man nicht von irgendjemandem annehmen. Doch es gibt viele Sammler in der Kryptowelt, die wir gar nicht kannten. Sie agieren allein im digitalen Raum. Darunter gibt es Käufer, denen das digitale Wallet auf dem Handy weit wichtiger ist, als eine Kunstsammlung an der Wand hängen zu haben. Unser erstes NFT war vom kanadischen Künstler Mad Dog Jones, ein großes Talent der aufkommenden Krypto-Art. Das Werk nannte er „Replicator“. Im Grunde ein digitales Bild – farbenfroh und cartoonartig, mit einer alten Kopiermaschine im Mittelpunkt. Wer dieses NFT besitzt, kauft mehrere Generationen, sprich Versionen des Bildes mit. Es verändert sich regelmäßig, wie Duplikate beim Kopieren. Wir haben es schließlich für 4,1 Millionen US-Dollar verkauft. Was für ein Erfolg! Die ganze Artszene will gerade herausfinden, was hinter dem Hype um Tokens und Coins steckt, aber als Auktionshaus dürfen wir unseren Kuratoreninstinkt nicht verlieren.

Sie kuratieren nicht nur Kunst, sondern auch Design. Wie entwickelt sich hier der Markt?
Der Markt für Design hat sich unheimlich entfaltet. Design fängt bei uns so richtig in den 1940er- und 1950er-Jahren an. Hauptaugenmerk sind aber die 1960er-Jahre in Italien und Skandinavien, von unserem US-Standort kommen amerikanische Ikonen dazu. Zusammen mit ein paar jüngeren Designobjekten entwickelt sich so ein spannender Mix für Sammler. Wir haben gespürt, dass das Bedürfnis, mit gutem Design zu leben, sich wahnsinnig verstärkt hat. Mittlerweile ist Design auch eine erschwingliche Geldanlage. Man kann mit einem Designobjekt wunderbar 20 Jahre leben und es dann mit riesigem Zugewinn verkaufen. Es lohnt sich wirklich, hier zu investieren!

Ist es schwerer, ein Designobjekt zu verkaufen, als ein Kunstwerk?
Nein, viel leichter. Design ist preislich günstiger. Objekte unter 20.000 Euro verkaufen wir an Einzelbieter mit großer Sammelleidenschaft. Ein Besteck etwa von Gio Ponti aus den 1960er-Jahren wollen 20 bis 30 Personen haben. Es gibt aber auch ganze Länder, die aktiv sammeln, um eine Ausstellung für eine Institution zusammenzustellen. In den Mittleren Osten und nach Asien verkaufen wir unsere begehrtesten Designstücke.

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Auktion London, 19. Juni 2020 | Jean Dunand | Set of three nesting tables | ca. 1925 | verkauft für £200.000

Auktion London, 19. Juni 2020 | Jean Dunand | Set of three nesting tables | ca. 1925 | verkauft für £200.000

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Auktion London, 12. November 2020 | Gio Ponti | Prototype „Mariposa“ sofa, designed for the XI Milan Triennale | ca. 1957 | verkauft für £252.000

Auktion London, 12. November 2020 | Gio Ponti | Prototype „Mariposa“ sofa, designed for the XI Milan Triennale | ca. 1957 | verkauft für £252.000

Welche Designstücke sind aktuell gefragt?
Es wird viel für das Haus gekauft – Stühle, Sessel, Lampen, Sofas, Esstische. Keramikarbeiten bekannter Künstler:innen sind sehr trendy. Viele Kunden verlieben sich schon im Onlinekatalog in die Stücke.

Steigert oder verringert Patina den Wert von Objekten?
Es kommt auf die Patina an. Bei einem Stück, das viel erlebt hat und repariert worden ist, verringert sich der Wert natürlich. Bei Holzmöbeln ist es wichtig, darauf zu achten, dass alles intakt ist und nichts ausgewechselt wurde. Expertise spielt dabei eine große Rolle, deshalb ist unser Herzstück das Lagerhaus. Alles wird hier inspiziert und durchleuchtet. Patina ist dann gewünscht, wenn ein Stück etwa aus den 60er-Jahren kommt und noch den Originalbezug hat, auch wenn der Stoff vielleicht etwas schäbig aussieht. Es gibt Sammler, die diesen Bezug unbedingt haben wollen und einen neuen drüberlegen. So bleibt das Original weiter intakt. Patina und Alterserscheinungen sind in einem bestimmten Rahmen sehr gern gesehen (lacht).

In was würden Sie heute investieren?
In junge Kunst oder junges Design. Design hat längst einen Kunstanspruch. Im Londoner Designmuseum oder dem Musée des Arts Décoratifs in Paris werden Designikonen als Kunstobjekte des 20. und 21. Jahrhunderts gezeigt. Und dieser Anspruch wird ganz sicher weiterwachsen.

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Auktion New York, 9. Juni 2021 | Jean Prouvé | „Direction“ armchair, manufactured by Les Ateliers Jean Prouvé and editioned by Steph Simon | ca. 1951 | verkauft für $176.400

Auktion New York, 9. Juni 2021 | Jean Prouvé | „Direction“ armchair, manufactured by Les Ateliers Jean Prouvé and editioned by Steph Simon | ca. 1951 | verkauft für $176.400

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Auktion London 18 Oktober 2018 | Rare coffee table, designed for the first class ballroom of the 'Giulio Cesare' ocean liner | 1951 | verkauuft für £72,500

Auktion London 18 Oktober 2018 | Rare coffee table, designed for the first class ballroom of the 'Giulio Cesare' ocean liner | 1951 | verkauuft für £72,500

Was ist Ihr liebstes Designobjekt im Alltag?
Ich bin ein großer Designfan, sitze gerade auf meinem kalifornischen „T-Chair“ und an einem Esstisch von Milo Baughman. Beides amerikanische Mid Century-Stücke aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Über mir hängt eine „Uchiwa“-Fächerlampe von Ingo Maurer, einem deutschen Industriedesigner, den ich sehr schätze, der aber leider bereits verstorben ist. Ich besitze aber auch dänische Stühle und Sessel. Wenn ich mir etwas Besonderes kaufen möchte, stöbere ich gern bei Designauktionen.

Dürfen Sie bei Phillips überhaupt mitbieten?
Ein Glück, ja! Ich gehe immer durch die Ausstellung und würde mir gern so viel im Bereich Design selbst kaufen, aber ich muss mein Gebot vorher abgeben und darf nicht live bieten. Ich muss Ihnen aber ehrlich sagen, dass ich bei Phillips noch nichts erstanden habe, weil derart gute Preise erzielt werden. Fünfmal habe ich versucht, einen Schreibtisch zu kaufen … – aber ich bleibe dran!

Dies ist ein Beitrag von Silke Roth aus dem stilwerk Magazin „Comeback Issue". Ihr persönliches Exemplar des aktuellen stilwerk Magazins erhalten Sie an den stilwerk Standorten sowie im ausgewählten Zeitschriftenhandel. 

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