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Madame Pragmatisch

Mit Feinsinn und Gespür für Funktionalität machte sich Inga Sempé vor allem als Leuchten-Designerin einen Namen. Die Interieur-Branche buhlt um die Französin. Doch Inga Sempé hält sich gern bedeckt. Alles, was sie zum Glücksflow braucht: Papier, Stift und eine Runde Tennis.

Mit was beschäftigen Sie sich momentan, Madame Sempé? 
Meine neuen Keramikfliesen für den italienischen Hersteller Mutina werden gerade fertig. Mein Team und ich präsentieren sie bald zum ersten Mal. Meist arbeite ich parallel an mehreren Dingen. Vor zehn Monaten haben wir angefangen, für die finnische Traditionsmarke iittala Gläser und Textilien zu kreieren. Ein großes Projekt sind momentan auch meine Pfannen, Töpfe und Küchenutensilien für Revol, das Urgestein der französischen Porzellanherstellung. Das „Pandarine“-Sofa für HAY kam im September heraus und jetzt arbeite ich an einer Bettversion. Nebenbei denke ich auch über eine tragbare Outdoor-Leuchte für die Marke nach.  

An was denken Sie beim Zeichnen?   
Ich denke an das alltägliche Leben. Meine ersten Gedanken sind immer: Wozu wird der Gegenstand benutzt und welche Person verwendet ihn? Ich zeichne und skizziere die meiste Zeit, dadurch wachsen meine Ideen und verbessern sich. Aus Inspirationen entstehen oft nur gefällige Kopien. Aus den Zeichnungen entwickeln meine Assistenten dann erste Modelle und 3D-Animationen.

Es scheint, dass Sie gut zu tun haben. Ist die aktuelle Lage für Sie vielleicht sogar inspirierend? 
Ich fühle mich nicht anders als sonst. Ich fühle mich nie besonders inspiriert. Das Einzige was mich auf Ideen bringt, ist das Zeichnen. Ich lasse mich nicht von der Muse küssen und arbeite pragmatisch. Aber richtig, ich habe viel zu tun. Doch weil ich über meinem Studio wohne, bin ich kaum eingeschränkt in meiner Arbeit. Natürlich sorge ich mich um mein Land, doch beruflich möchte und kann ich mich nicht beklagen.  

Welche Ihrer Arbeiten spiegelt Ihr Design-Verständnis am deutlichsten wider?  
Es ist wahrscheinlich die Leuchte „Ile“, die ich für Wästberg designt habe. Ich habe großes Interesse an Leuchten und kleinen Objekten. Dinge, die Funktionalität und Struktur haben und dazu noch einer Lichtmechanik folgen. Ich wollte bei „Ile“ vielseitig sein. Ein Objekt, das man auf einen Tisch stellen, an ein Regal klemmen oder sogar mit einem Nagel an die Wand hängen kann. Alle Funktionen zu vereinen und gleichzeitig einen klaren Lichtkegel zu haben, war eine Herausforderung. Außerdem sollte die Leuchte klein sein, fröhlich aussehen und in möglichst viele Räume passen. 

In einem Interview haben Sie einmal erwähnt, dass Licht Ihr liebstes Material sei. Stimmt das? 
Habe ich das so gesagt? Es gibt kein Lieblingsmaterial für mich. Es steckt auch kein tieferer Sinn hinter dieser Aussage. Licht finde ich einfach spannend, weil der menschliche Körper in vielen Designs Grenzen setzt. Bei Leuchten gibt es das nicht. Wenn es um Materialien und Farben geht, wähle ich die aus, die am besten zu meinen Entwürfen passen. Schlechte Qualitäten meide ich grundsätzlich.

Wie stehen Sie zu nachhaltigem Design? 
Ganz ehrlich, ich tue mich mit dem Begriff schwer. Man will dadurch etwas politisch korrekt ausdrücken, meint aber nichts anderes als langlebige und gute Produkte herzustellen. Der Begriff ist irreführend. Beachtet man Nachhaltigkeit in der Musik oder Malerei? Ich will natürlich Dinge entwerfen, die eine lange Lebenszeit haben und hochwertig produziert sind. Aber diesen Satz hören Sie wahrscheinlich auch von Firmen, die wirklich alles andere als nachhaltig arbeiten. Der Begriff passt eher in die Modewelt. Hier werden von Designern dutzende Kollektionen pro Jahr abverlangt, die sie für große Marken entwerfen sollen. Diese Firmen wollen uns glauben lassen, dass sie jetzt viel umweltfreundlichere Produktionsprozesse haben als noch vor einem Jahr. 

Aber Sie könnten doch nachhaltige Materialien in Ihre Arbeit einfließen lassen? 
Ich gebe hier immer die gleiche Antwort. Wir Designer haben selten Mitspracherecht bei unseren Auftragsarbeiten. Es ist schwer, wenn nicht unmöglich, bei Materialien etwas zu beeinflussen. Ich meine damit die Art, wie sie verarbeitet und abgebaut werden. Oft fehlen uns die Hintergrundinformationen zu den Ressourcen. Meine Art, nachhaltig zu arbeiten ist, jährlich nur ein paar ausgewählte Objekte und Möbel zu entwerfen. Ebenso nur mit Firmen zusammenzuarbeiten, die Qualität über Quantität stellen. 

Welchen Design-Evergreen schätzen Sie? 
Ich liebe diese runden Porzellangriffe an Türklinken. Sie werden im Ofen zwischen Platten gebrannt – das finde ich faszinierend. Außerdem sind sie praktisch, und ich schaue sie mir gern an. 

Welche Pläne haben Sie für 2021? 
Ich habe letzten Monat begonnen, Möbel und Accessoires für die japanische Holzfirma Ariake zu gestalten. Das wird spannend. Ich warte auch gerade auf die ersten Prototypen meiner Teppiche für die spanische Marke Nanimarquina. Und unter uns – ich spiele jeden Tag Tennis gegen eine Wand. Das werde ich wohl solange machen, bis ein Match mit jemand anderem wieder erlaubt ist. 

 

Dies ist ein Interview von Silke Roth aus dem stilwerk Magazin „ever green“. Ihr Exemplar des stilwerk Magazins erhalten Sie an den stilwerk Standorten Düsseldorf und Hamburg sowie im ausgewählten Zeitschriftenhandel.

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