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Möbelmanufaktur im Märchenland

Vom idyllischen Lauenförde in die Welt: Tecta, deutscher Hersteller ikonischer Designmöbel, fährt seit Jahren ein Erfolgskonzept, das einmalig ist: mit Re-Issues von Bauhaus-Größen, neuen Design- Talenten, kurzen Wegen, flachen Hierarchien und Handwerk „Made in Germany“. Manufaktur, Firma und Museum findet man übrigens mitten auf der grünen Wiese. Ein Ortsbesuch.

Der Name Tecta sagt Ihnen irgendwas, aber nicht sooo genau? Na ja, aber Bauhaus ...? Na, bitte! Online durch das Tecta-Möbelprogramm zu stöbern, ist nämlich ein bisschen wie ein Spaziergang durch das „Who is Who“ der Bauhaus-Historie: Mies van der Rohe, Gropius, Marcel Breuer, Gerrit Rietveld, El Lissitzky ... – stolze 30 originalgetreue und lizenzierte Bauhaus-Reeditionen,die meisten davon in den 80er-Jahren erworben, produziert und vertreibt Tecta. Damit ist das kleine deutsche Familienunternehmen aus dem Weserbergland weltweit der größte Anbieter von original Modellen – also noch vor Knoll, Cassina und Co. Und alle natür­lich mit dem offiziellen Original-Bauhaus-Signet des Bauhaus-Archivs Berlin versehen.

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Die Designikonen, die jeder auf den ersten Blick erkennt – Mies-van-der-Rohe-Freischwinger und Marcel-Breuer-Stühle made by Tecta, die in den luxuriösen Wohnungen stilsicherer Kunden von Tokio bis Toronto, von Berlin bis Bangkok stehen – sie alle werden im dörflichen Lauenförde gefertigt. Dort am Ufer der Weser, zwischen dunstigen Feldern, steht die Wiege der Tecta-Möbel. In modernistischen Bungalows, die sich mit der romantischen Land­schaft zu verbinden scheinen, sind Büro, Tischlerei, Polsterei und Flechterei beherbergt. Der Tecta-Firmensitz wurde von Gründer Hans Könecke Ende der 50er-Jahre errichtet, in den 80ern vom bekannten britischen Architektenpaar Alison und Peter Smithson umgebaut und in den letzten Jahren durch eine Kollaboration mit Andree Weißert sensibel modernisiert. Draußen duftet es nach Wald und Wiesen, innen nach Sägespänen, Leder oder Metall. In der Manufaktur wird das Wort noch im ursprünglichen Sinne gelebt. Die Idee, die Herstellung unter einem Dach zu haben, hat sich für Tecta bis heute bewährt und ist der Kern des inter­national erfolgreichen Konzepts. Die Firma macht nämlich alles anders, als man es heutzutage kennt – und liegt damit sehr, sehr richtig. Made in Germany stimmt hier noch bis ins Detail. Den Produktionsstandort an der Weser wählte einst Firmengründer Kö­necke; durch die Nähe zu Vorlieferanten der Möbelindustrie und zu ortsansässigen Handwerksbetrieben bot er sich an. Der Rest der bewährten Firmen-DNA, „Handwerk als Basis von allem“, ist Axel Bruchhäuser zu verdanken, Onkel des heutigen Chefs Christian Drescher, der Tecta bis 2016 leitete (und heute noch ein Büro auf dem Gelände hat und in „inoffizieller“ Funktion mit­mischt). Vehement vertrat der gelernte Ingenieur die Auffassung, dass man ein Möbelstück nicht künstlich „rendern“ könne, sondern das Gemachte, die Materialien, die Verbindungen, Schrauben, Übergänge – all das sehen und spüren müsse. Genau die Detail- und Technikverliebtheit also, die bereits den Geist des Bauhauses aus­machten. Heute kann man sie in der Präzision jedes Tecta-Erzeug­nisses erleben.

Das Set-up aus kurzen Wegen und flachen Hierarchien – Tecta beschäftigt 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – mit integrier­ten Werkstätten bestimmt deshalb auch in der heutigen Generation noch den Herzschlag der Firma. „Outsourcing“ ist in der Her­stellung ein Fremdwort. In Lauenförde wird Tecta nicht nur ent­worfen und gemanagt, sondern auch produziert. Handwerk ist dabei das A und O. Wie beim Mies-van-der-Rohe-Stuhl mit dem filigranen, aber hochstabilen, linsenförmigen Flechtwerk, das aus der Rotangpalme aus Indonesien in minutiöser Handarbeit gefertigt wird. Eigene Korbflechter – das Handwerk hat durch die Weiden am Weserufer eine Tradition – beschäftigt Tecta vor Ort. Viele schon seit langen Jahren und bereits in zweiter oder dritter Generation. „Als uns neulich ein Korbflechter verließ, fanden wir einen neuen im Nachbardorf Dahlhausen“, freut sich Christian Drescher. Ein Glücksgriff, denn das tatsächlich älteste Handwerk der Welt ist heutzutage nicht mehr gefragt und daher fast ausgestorben. Deshalb bildet man hier auch selbst aus. Und welche Kobflechterin/welcher Korbflechter kann schon von sich behaupten, in zeitlos modernistischen Bauten herumzuwerkeln, bei deren Anblick Architektur-Fans vor Begeisterung feuchte Augen bekommen und über die der Geist von Jean Prouvé weht? Mit dem weltberühmten Architekten und Designer verband Axel Bruchhäuser eine langjährige Freundschaft.

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Auf die Frage, was bei all dieser Detailliebe das Geheimnis der Wirtschaftlichkeit von Tecta sei – schließlich kostet es ja so einiges, Unvergängliches zu schaffen und Handwerk zu erhalten – scherzt Christian Drescher, er wisse es eigentlich selbst nicht: „Ein biss­chen Magie spielte hier im Märchenland der Weser, der Heimat der Gebrüder Grimm, schon immer mit.“ De facto aber ist es neben der Qualität der Erzeugnisse die schlanke Struktur und Größe der Firma, die es möglich macht, schnell und wendig auf Markt­bedingungen zu reagieren. Gut aufgestellt sei man zudem, meint Drescher; mit einer wunderbaren Kommunikationsagentur in Köln und einem exzellenten Vertriebsnetz, zu dem seit ein paar Jahren auch Händlerinnen und Händler in den wohlhabenden Län­dern Asiens gehören, die dort den neu wachsenden Bedarf nach Bauhaus-Design und hochwertigen Sonderanfertigungen stillen.

Bei allem Hochhalten von Tradition – mit 40 Ausstellungen feierte die Firma im vergangenen Jahr das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum unter dem Motto „BauhausNowhaus“ – muss Tecta sicher keine Sorgen um die Zukunft machen. Drescher hat das Unter­nehmen intelligent in die nächste Ära geführt. Dabei wollte der gelernte Kommunikationswissenschaftler eigentlich nie in die Firma einsteigen. Seinen Onkel Axel Bruchhäuser, der Marketing und Online-Präsenz stets für überflüssigen Firlefanz hielt, konnte er nach langen Diskussionen für beides gewinnen und die Firma digital gut aufstellen. Zudem wächst der Markt für Qualitätsmöbel – schließlich ist in Zeiten der Wegwerfgesellschaft Bleibendes der wahre Luxus. Auch neue Märkte sind hinzugekommen, in Asien vor allem. Und das Tecta-Programm bleibt durch Innovationen junger Talente spannend und zeitprägend im High-End Markt. Das Kabinett der jungen Berlinerin Hanne Willman ist ein ge­lungenes Beispiel für die heutige Tecta-Designkompetenz.

Auch bei den neuen Entwürfen bewähren sich die kurzen Wege und die Nähe zum Handwerk. Das Dreieck aus Künstler/Künst­lerin, Unternehmer/Unternehmerin und Produktion entscheidet, wie etwas umgesetzt wird: „Da steht man dann zu dritt um den Prototypen und diskutiert – ob es dem der Künstlerin/dem Künst­ler so passt, ob das Handwerk es umsetzen kann und ob es für den die Unternehmerin/den Unternehmer in der Produktion tragbar ist,“ erklärt Christian Drescher.

What’s next? Tecta versucht sich aktuell an einer kühnen Wiederbelebung: dem erneuten Revival des Kragstuhls. Die Tecta-Neuheit zur IMM Cologne hat Tischler und Architekt Wolfgang Hartauer entworfen. Ein Sitzmöbel für die Neuzeit, ein Frei­schwinger 2.0 sozusagen – eine eigenständige, moderne Weiter­entwicklung des Bauhaus-Klassikers. Nach dem anhaltenden Skandi-Trend, der von vierbeinigen Stühlen geprägt ist, sei die Zeit nun reif dafür, meint Christian Drescher. Natürlich weiterhin gewohnt klar, zeitlos und hochwertig. Bauhaus and beyond, eben.

Dies ist ein Beitrag aus dem stilwerk Magazin „Inspiring Spaces“  verfasst von Annette Franklin-Stokes. Die aktuelle Ausgabe erhalten Sie an den stilwerk Standorten Berlin, Düsseldorf und Hamburg sowie im ausgewählten Zeitschriftenhandel.

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