stilwerk_magazin_comeback_people_to_remember_german_ermics_stage

People to remember

Es gibt Menschen, die haben Talent. Und dann gibt es solche, die haben das eine Quäntchen mehr – diese vielversprechenden Newcomer:innen aus den Bereichen Design, Architektur, Lifestyle und Food dürfen wir hier vorstellen: Drei Frauen und drei Männer, die für ein Thema brennen, sich schon seit Jahren bis in die kleinsten Materien eines Fachbereiches vorarbeiten, es wagen Grenzen zu unterwandern und ihre Hände dreckig zu machen. Sie werden uns in den nächsten Jahren noch öfter begegnen…

stilwerk_magazin_comeback_people_to_remember_kati_meyer_bruehl_page

Kati Meyer-Brühl
Sie ist in einem Möbelunternehmen groß geworden, hat Produktdesign studiert und wurde später im Familienbetrieb Brühl Kreativdirektorin – so weit, so erwartbar. Wer allerdings vermutet, dass Kati Meyer-Brühls Entwürfe deshalb auf eine Art langweilig wären, irrt. Die Sofas und Sessel der deutschen Gestalterin sind mal geradlinig – sie studierte unter anderem am Bauhaus in Dessau –, mal romantisch und dann wieder fast experimentell. Fragt man sie nach ihrer Handschrift, sagt Kati Meyer-Brühl nüchtern: „Ich liebe die Freiheit des Gestaltens.“ Doch der wahre Grund für die zahlreichen europäischen Awards auf ihrem Schreibtisch in Bad Steben ist wohl ein anderer: Kati Meyer-Brühls authentische Nähe zur Natur und dem Menschen sowie die Tatsache, dass man diese innere Haltung auch in ihren Entwürfen wiederfinden kann.

Kann man jemanden, der so etabliert ist in der Szene wie Meyer-Brühl, nun noch Newcomerin nennen? Mit einem Auge auf ihre Art zu arbeiten und wie stark sie sich für das Thema Nachhaltigkeit einsetzt würde es „New Generation Designerin“ vielleicht besser treffen. Doch damit hält sich jemand wie Kati Meyer-Brühl sowieso nicht auf …

stilwerk_microsite_space_white

Fabian Wagner
Architekt:innen lieben starke Formen und klare Linien – Fabian Wagner ist da keine Ausnahme. Doch der Münchner schafft es, dass seine minimalistischen Bauten nie zu verkopft wirken. Sie haben manchmal sogar eine verspielte Seite: Die Bar „Gamsei“ im Münchner Glockenbachviertel zum Beispiel ist innenarchitektonisch mit Publikumsholzbänken statt Cocktailsesseln auf das Nötigste reduziert – die Decke hängt allerdings voller Flaschen. Im „Schwarzen Haus“, das Fabian Wagner so bekannt machte, schachtelte der Architekt unterschiedliche Betonvolumen ineinander. Die Fassade besteht aus geköhlten Eichenholzlatten, ein natürlicher Witterungsschutz, aber auch bewusst gewählter Look. Denn die strengen Bauvorschriften des bayrischen Voralpenlandes berücksichtigt Wagner so zwar, untergräbt sie allerdings im selben Moment auch subtil. Ein feinsinniger Balanceakt, ein großes Talent.

Nächstes Jahr wird Fabian Wagner allerdings selten in Bayern sein, sondern in der Villa Massimo der Deutschen Akademie in Rom. „Ich hoffe endlich einmal frei von jeglichen Einschränkungen arbeiten zu können und die Zeit zu haben, Ideen weiterzudenken, für die in einem normalen Büroalltag keine Luft ist“, sagt Wagner. Wir sind gespannt, die Einflüsse Italiens in Wagners‘ Architektur wiederzufinden.

stilwerk_microsite_space_white
stilwerk_magazin_comeback_people_to_remember_esther_kaya_stoegerer_page

Esther Kaya Stögerer
Black Liquor“ ist keine Spirituose im Supermarktregal. Das Material könnte allerdings irgendwann einmal dort eingesetzt werden – aber von vorn: Alles begann mit der Bachelor Arbeit von Esther Kaya Stögerer, die an der Berliner Weißensee Kunsthochschule „Textil- und Flächendesign“ studierte. Bei ihren Forschungsprojekten stieß sie gemeinsam mit Jannis Kempkens und einem Team des Fraunhofer Instituts auf Schwarzlauge, ein Nebenprodukt der Papierindustrie, welches das Biopolymer Lingin enthält. Stögerer und Kempkens experimentierten so lange mit dem Abfallprodukt, bis sie daraus einen neuen Werkstoff kreiert hatten, der eine flexible Lederalternative darstellen kann oder einen leichtgewichtigen Plattenwerkstoff, der vollständig recycelbar ist. Wie „Black Liquor“ final aussieht? Ein bisschen wie Bio-Terrazzo oder alternativer Marmor. Hat Zeug zu mehr, würden wir sagen – genau wie seine Entdeckerin, die sich das Thema „zirkuläre Industrie“ als geistiges Überthema für ihre gestalterische Arbeit gesetzt hat. Ester Kaya Stögerer forscht übrigens weiter an ihrem Material – mit dem Fokus darauf, wie man mit Hilfe von Mikro-Organismen „Black Liquor“ wieder zersetzen kann.

stilwerk_microsite_space_white

Seppe Nobels
Das gestärkte weiße Kochhemd steht dem Gourmetchef Seppe Nobels bestens – doch ebenso oft sieht man den blonden Belgier mit erdigen Händen im Beet wühlen. Denn Seppe Nobels lebt die „Farm-to-plate“-Philosophie. Umso logischer ist sein Schritt, nach 13 Jahren im Sterne-Restaurant „Graanmarkt 13“ in Antwerpen nun auf dem „Château de la Chapelle“ in den Ardennen zu arbeiten. Auf die Dinnertafel kommt, was auf dem Anwesen wächst. Aber Gemüse spielte in Seppe Nobels Küche schon immer die Hauptrolle: „Ich setze gern Techniken ein, die normalerweise nicht mit Gemüse in Verbindung gebracht werden“, erklärt der Chef in seinem Buch „Greens that taste like friendship“ (Knesebeck Verlag). Darin zeigt er auch, wie man Knollensellerie, Pastinake oder Rote Beete einlegt, grillt, röstet, fermentiert oder pökelt. Spätestens mit dem Pop-Up-Restaurant „Instroom“ im Antwerpener Hafen bewies Seppe Nobels diesen Sommer: So konsequent avantgardistisch wie er nähert sich keiner den regionalen Gemüsesorten.

Bei aller Kochkunst liebt Nobels aber auch die Abwechslung: Mit der nationalen Kochmannschaft „Flanders Kitchen Rebels“ oder seiner Arbeit für Fernsehformate wie „Snackmasters“ bleibt er etabliertem Gault-Millau-Getue weit fern …

stilwerk_microsite_space_white
stilwerk_magazin_comeback_people_to_remember_marjan_van_aubels_page_01

Marjan van Aubel
Die Berufsbezeichnung von Marjan van Aubel geht der Amsterdamerin fließend von den Lippen: „Ich bin Solar-Designerin“, sagt die Niederländerin. Wenn sich ihr Gegenüber dann kastige Solarpaneele auf kahlen Wiesen vorstellt, muss Marjan van Aubel lachen und fühlt sich nochmal mehr bestärkt in ihrer Mission. Denn genau darum geht es ihr schließlich: „Solarpaneele haben sich in den letzten 60 Jahren optisch nahezu gar nicht verändert.“ Sie ist angetreten, das umzuwälzen. Auf der aktuellen „World Expo“ in Dubai lässt sie sehen, wie anders die Energiegewinner aussehen können: Farbige, mosaikartige Solarplatten zieren hier den Himmel des niederländischen Pavillons. Sie tauchen die Besucher:innen in einzigartige Farbmuster, nähren aber auch die Zimmerpflanzen unter sich und spenden Energie für die Beleuchtung des Ausstellungsraums. Marjan van Aubels Sonnenenergieflächen meistern mühelos den Spagat zwischen Funktion und Kunst.

Nun hat sich die Rietveld-Elite-Uni-Absolventin eine neue Herausforderung gesucht: Sie will ihre Solarkunst salonfähig machen und eine kommerzielle Wohnzimmerleuchte auf den Markt bringen. „Sunne“ hat die Kickstarter-Phase bereits abgeschlossen und will noch in diesem Jahr in den ersten Wohnzimmern hängen …

stilwerk_microsite_space_white

Germans Ermics
Wer versucht, Germans Ermics in eine Schublade zu stecken, der hat es schwer: Produktdesigner, Künstler, Grafiker – Ermics kann keiner Kategorie so richtig zugeordnet werden. „Ich transportiere Gefühle“, sagt der Wahl-Amsterdamer. Zuletzt beeindruckte er mit der Gestaltung einer MetroStation in Seoul: Glaswände in ineinander übergehenden Vanillegelb- bis Aubergine-Tönen leiten die Pendler hier durch die unterirdischen Gänge. Davor war es eine Sessel-Skulptur, die Germans Ermics ins internationale Scheinwerferlicht rückte: Der „Ombré Glass Chair“ sollte eine Hommage an dessen geistigen Schöpfer Shiro Kuramata sein, doch Ermics’ in Glas gegossene Farbverläufe ließen seinen Entwurf sich selbst zur Designikone empfehlen. Farb-Glas-Lichtspielereien mit Objekten und Architektur – den in Riga geborenen Germans Ermics nennt man wohl am besten einen Poeten.

Der einstige Protegé der Designikone Rossana Orlandi arbeitet mittlerweile sogar für Modedesigner wie Raf Simons oder internationale Brands wie Bang & Olufsen. Und ganz nebenbei hat Germans Ermics dem Material Glas zu seinem fulminanten Comeback verholfen.

stilwerk_microsite_space_white

Dies ist ein Beitrag von Janina Temmen aus dem stilwerk Magazin „Comeback Issue". Ihr persönliches Exemplar des aktuellen stilwerk Magazins erhalten Sie an den stilwerk Standorten sowie im ausgewählten Zeitschriftenhandel. 

Schön, dass Sie da sind!

Mit dem stilwerk Newsletter erfahren Sie zukünftig alles exklusiv und aus erster Hand: Trends, Ausstellungen, Verlosungen oder Events – im stilwerk Kosmos lässt sich immer etwas Neues entdecken. Für uns ist Design alles. Jeden Tag. Rund um die Uhr. 

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und wir schicken Ihnen die aktuelle Ausgabe des stilwerk Magazin per Post.* Viel Spaß beim Schmökern. 

 

* Die Teilnahmebedingungen finden Sie hier ›

Jetzt noch ein paar Details…

Zurück

Willkommen im stilwerk!

Nur noch ein Klick, dann sind Sie dabei.
In Kürze erhalten Sie eine personalisierte E-Mail mit einem Bestätigungslink und der Möglichkeit, Ihre Daten zu vervollständigen.
Wir freuen uns.

Fehler