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Zeitz MOCAA | Reclaimed Architecture

Vom Korn zur Kunst – das Zeitz Museum for Contemporary Art Africa in Kapstadt macht Unmögliches möglich und verwandelt ein fensterloses Getreidesilo in den wohl spektakulärsten Museumsbau Afrikas.

In der Serie Reclaimed Architecture widmet sich stilwerk architektonischen Fossilien, die dank großer Visionen wieder zum Leben erwachen und als einzigartige Juwelen ganze Stadtviertel prägen – fantasievoll, elegant und inspirierend.

Wer das neue Zeitz Museum in Kapstadt betritt, legt erst einmal den Kopf in den Nacken. Der Blick wandert hinauf, durch das 27 Meter hohe Atrium, wo ein Gummidrachen des Künstlers Nicholas Hlobo seine Gummiflügel ausbreitet. Angefixt durch dieses erste, verblüffende Kunsterlebnis geht es weiter auf Entdeckungstour. Gläserne Fahrstühle und steile Wendeltreppen führen zu 80 Galerien auf sieben Kunst-Etagen bis zum Skulpturengarten auf dem Dach. Das Zeitz MOCAA (Museum for Contemporary Art Africa), das im Herbst 2017 seine Tore öffnete, versammelt endlich die bedeutendste Gegenwartskunst des Kontinents unter einem Dach.

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Die Idee dazu hatte der 54-Jährige frühere PUMA-Chef Jochen Zeitz, der die Sammlung gemeinsam mit dem jetzigen Direktor und Chefkurator des MOCAA, Mark Coetzee, in weniger als zehn Jahren zusammenkaufte, von Anfang an mit der Vision, ein eigenes, großes Museum damit zu bestücken. Dass seine Werke nun tatsächlich in Bestlage, an Kapstadts Victoria & Alfred Waterfront zu sehen sind, grenzt an ein Wunder. Denn kaum ein Bau schien so ungeeignet zur Kunst-Präsentation wie das avisierte historisches Getreidesilo von 1924: Fensterlos, ohne Tageslichteinfall und unterteilt in Hunderte senkrechte Röhren.

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Gemeistert hat diese Reinkarnation des Baus zu einem der spektakulärsten Museen weltweit Architekt Thomas Heatherwick, der unter anderem durch die hydraulische Rolling Bridge in London Berühmtheit erlangte und den Umbau des hundert Jahre alten Silos als eine der größten Herausforderungen seiner Karriere beschreibt:

Wir arbeiteten wie Archäologen, die sich in dem Wirrwarr der Gänge zurechtfinden mussten.

Ein Getreidekorn, das der Brite auf dem Boden des Silos fand, lieferte die zündende Idee: er scannte und vergrößerte das Korn, schnitt dessen organische Silhouette aus der Mitte des Betonkolosses heraus und schuf so ein Atrium, das die Architektur überraschend leicht wirken lässt.

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Wenn es noch Häuser gibt, mit denen Architekten ihr Publikum zum Staunen bringen können, dann sind es solche umgebauten Silos, Fabriken oder Bunker. Oft gelingt es diesen ehemaligen Ruinen, den Wandel heruntergekommener Stadtviertel zu einem boomenden, lebendigen Quartier einzuleiten, so wie die Tate Modern in London-Bankside, die mit dem Umbau eines alten Kraftwerks am Südufer der Themse vor sechszehn Jahren zu einem der meistbesuchten Museen überhaupt wurde. Und natürlich die 2016 eröffnete Hamburger Elbphilharmonie, deren gläserner Konzertsaal über einem alten Kaispeicher mitten im Hafen thront. Beide entworfen von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron, sind sie weit strahlende Leuchttürme einer Gattung, die aber in kleinerem Maßstab nicht minder fasziniert.

Dieser Text ist Teil eines Beitrags aus dem stilwerk Magazin „Wunder", geschrieben von Amelie Osterloh für stilwerk. Die aktuelle Ausgabe des stilwerk Magazins gibt es jeweils zum Mitnehmen in den stilwerk Häusern Berlin, Düsseldorf und Hamburg und im ausgewählten Zeitschriftenhandel.

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