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Zu Tisch im quietschbunten Gesamtkunstwerk

Eins für ein Redaktionshaus gestaltet, befindet sich die berühmte Spiegel Kantine aus der Hand Verner Pantons heute im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Die Mittagspause – ein alltägliches Ritual, das der Erholung, dem kurzen Abschalten und Wiederaufladen für die zweite Tageshälfte dient. Ein Ausflug in das Café um die Ecke oder eben doch die gewohnte Büroatmosphäre – selten bringt die Pause eine Portion Interior-Abenteuer mit sich. Anders muss dies den Spiegel-Redakteuren der 70er bis 00er Jahre ergangen sein: Die hauseigene Kantine, gestaltet vom renommierten dänischen Designer und Architekten Verner Panton, war eine Welt für sich – ein poppig-buntes Raumwunder, bei dem das Oben und Unten, das Rechts und Links keine begrenzende Bedeutung mehr zu haben schien. Das mittägliche Mahl wurde zum optischen Erlebnis in Quietsch-Orange, Rot oder Violett. Die Idee des Gesamtkunstwerks war wiedergeboren – ganz im Stil der Swinging Sixties.

Im Jahr 1969, mit dem Umzug des Spiegel in das neue Gebäude in der Brandstwiete, übernahm Panton die gesamte Innenraumgestaltung des Redaktionshauses – inklusive Kantine, Snackbar und Schwimmbad. Ein knallig-schrilles Farbkonzept, gepaart mit organisch anmutender Formensprache durchzog jede Etage des nach außen recht nüchtern wirkenden Glasturms von Architekt Werner Kallmorgen. Mussten alle anderen Interieurs von Panton bereits in den 70er Jahren sukzessive einem neutralen Anstrich weichen, schillerten Kantine und Snackbar weiter in Orange-Rot-Violetten Nuancen. Hier konnten Quadrat, Kugel, Kreis und Dreieck in wilder, aber äußerst harmonischer Kombination bestehen – wie Stalaktiten stießen Pyramiden von der Decke in den Raum und wechselten sich gekonnt mit den heute zu Klassikern avancierten „Flowerpot“-Leuchten ab. Boden und Wand nahmen die geometrischen Formen und poppigen Farbnuancen wieder auf und tauchten den Raum in eine ganzheitliche Atmosphäre. Interessanterweise kam als Bestuhlung nicht der „Panton Chair“ zum Einsatz, sondern die Stuhlkollektion vom amerikanischen Bildhauer und Designers Harry Bertoia. Grund hierfür war die bestehende Kooperation des Spiegel mit dem Hersteller der Bertoia-Kollektion Knoll International. Aus heutiger Sicht fügt sich dieses filigrane Gestell recht anmutig in die Szenerie Pantons ein.

Panton, der in den sechziger Jahren als innovativer und wegweisender Gestalter galt, war eine mutige Wahl der Spiegel Redaktion. Er setzte bei seinen Designs auf neueste Materialien wie dem damals aufkommenden Trendmaterial Kunststoff und wollte „Funktionelles in Empfindung umsetzen“, so Verner Panton in einem Interview. Motive der zeitgleich aufkommenden Pop-Art überführte der Däne ins Design und stand mit seinen psychodelisch-skulpturalen Entwürfen im krassen Gegensatz zu funktionalistischen Ansätzen und dem Industriedesign der Zeit. Mit der Einrichtung des Spiegel Redaktionshauses schuf er eines seiner wichtigsten Gesamtensemble, das heute wie ein Abstecher in vergangene Zeiten funktioniert. Seit 2012 befindet sich der orange-farbige Speisesaal sowie Teile der Snackbar im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Ein Design-Highlight, das für eine Mittags-Tour unbedingt zu empfehlen ist.

Bleibt also noch zu sagen: Wir wünschen mehr knalligen Pop zu Tisch, bitte!

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